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Ackermann, Werner (alias Landmann, Robert)
Arnaldi, Carlo
Arp, Hans
Bloch,
Ernst
Braumann, Wilhelmine Elisabeth
Buek,
Otto
Conrad, Michael Georg
Daniel,
Alfred
Davringhausen,
Heinrich
Maria
Diefenbach,
Karl Wilhelm
Dörr, Wilhelmine Elisabeth
Duncan,
Raymond und Isadora
Ehret,
Arnold
Einstein,
Albert
Elisabeth
Engert, Moritz
Faistauer,
Anton
Feldner,
Jakob
Fidus
(Hugo Hoeppener)
Fischer-Dückelmann,
Anna
Goering,
Reinhard
Goetz,
Bruno
Graeser,
Ernst Heinrich
Gräser,
Karl
Graf,
Oskar Maria
Grohmann,
Adolf
Gross,
Otto
Guttzeit,
Johannes Friedrich
Hauptmann,
Gerhart
Hesse,
Hermann
Hoeppener,
Hugo
(Fidus)
Hofmann,
Ida
Jung, Carl
Gustav
Kruse, Käthe
Laban, Rudolf
Landmann, Robert (eigentlich Ackermann, Werner)
Losert,
Anton
Maier,
Gustav
Mann, Thomas
Muehsam,
Erich
Nietzsche, Friedrich
Nohl,
Johannes
Oedenkoven,
Henri
Paasche, Hans
Reuss,
Theodor
Schlaf, Johannes
Schrimpf,
Georg
(im Kapitel O.M. Graf)
Schütt,
Gustav
Schulze-Sölde, Max
Schwantje,
Magnus
Seifert,
Alwin
Stern, Theodor
Streng, Wilhelmine Elisabeth
Spir,
Afrikan
Szeemann,
Harald
von der
Heydt, Eduard
von der
Schulenburg, Werner
Weber,
Max
Wigmann,
Mary
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| Die Naturmenschen |
Der Aufsatz
von Carlo Arnaldi, 1903 in San Francisco
in italienischer Sprache erschienen, ist die erste
Veröffentlichung
über die Siedlung Monte Verità von Ascona. Sie
berücksichtigt allerdings nur das von Henri Oedenkoven
gegründete Sanatorium und streift nur im Vorübergehen
die
Brüder Gräser.
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| Die Frauen am Monte Verità |
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Reinhard Goering
(1887 - 1936)
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Der
Dramatiker und Erzähler Reinhard Goering, der 1918 durch sein Drama ‚Die
Seeschlacht’ berühmt wurde, kam erstmals 1915 auf den Monte Verità,
wohnte zeitweise im Roccolo-Turm, und kam 1917, 1918, 1919 wieder zu längeren
Aufenthalten. 1918 lernt er Gusto Gräser kennen, wohnt und tanzt auf den
Felsen von Arcegno. Seinem Beispiel folgend versucht er den Ausbruch aus
der Gesellschaft – „weil sie lügt, weil sie gemein ist, weil sie uns Steine
gibt statt Brot“. Seine „buddhistische Wanderung“ von 1918 scheiterte jedoch
schon nach kurzer Zeit. Zwei Frauen fanden den Ohnmächtigen, der bettelnd am
Straßenrand gesessen hatte. Mit der Tänzerin Niddy Impekoven erlebt er 1919 die
Ekstase desTanzes. Er kann sich aber in der bürgerlichen Ordnung nicht
mehr zurechtfinden und nimmt sich 1936 das Leben.
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Hermann
Hesse
(1877 - 1962)
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Hesse lernte Gräser um 1900
kennen; dessen
Gestalt und Denken wird schon im CAMENZIND sichtbar. Im Frühjahr
1907 folgte der Dichter seinem "Freund und Führer" auf den Monte
Verità, verbrachte mit ihm zusammen einige Tage in dessen
Höhle
bei Arcegno, versuchte sich wochenlang, fastend und nacktlaufend, als
Einsiedler in den Bergen. Zwar scheiterte dieses erste "Noviziat" an
seiner eigenen Schwäche, doch nach zehnjähriger Entfremdung kehrte
Hesse 1916 reumütig in die Arme des Freundes zurück. Im Zusammensein
mit ihm erfuhr er eine seelische Wiedergeburt, die große
Wandlung
seines Lebens. In Gräser erlebte er den Führer zum eigenen Selbst, in
dessen Frau Elisabeth ein Abbild der Grossen Mutter. Der
ehemalige Kriegsfreiwillige wandelte sich jetzt zum entschiedenen
Kriegsgegner und Vorkämpfer der Gewaltlosigkeit. Im zweiten Teil des
DEMIAN hat er seine damaligen Erfahrungen dichterisch gestaltet, in
Essays und Aufrufen seine neue Gesinnung dargetan. Höhepunkt seines
Einsatzes für Gräser, der allerdings meist anonym blieb, war
die
emphatische Flugschrift ZARATHUSTRAS WIEDERKEHR, die seinem Freund den
Weg ins Nachkriegsdeutschland ebnen sollte. Nach einem neuerlichen
Rückzug von zehnjähriger Dauer, den er später als "Verrat" und
"Flucht" erkannte, findet Hesse um 1930 endgültig zu dem
Vielverkannten, Vielgeschmähten zurück. MORGENLANDFAHRT und
GLASPERLENSPIEL besiegeln die Heimkehr zu dem als Yogin, Beichtvater,
Regenmacher und Spielmeister verehrten Feund und Meister, die
Erneuerung ihres Bundes vom Monte Verità. |
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Gerhart
Hauptmann
(1862-1946)
1919
auf
dem Monte Verità
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Als junger Mann hatte
Hauptmann mit
Freunden eine lebensreformerische Kolonie gründen wollen.
"Einem
Liebes- und Schönheitskult hingegeben", unter dem Leitsatz
"Rückkehr
zur Natur", sollte "eine neue Gesellschaftsordnung auf einer
natürlichen Grundlage" errichtet werden. Das Experiment des MV
mußte ihn daher aufs höchste interessieren, zumal
Freunde
von
ihm auf dem Berg sich ansiedelten und Gräser ihn besuchte.
Hauptmann
hat ihn gegen Angriffe verteidigt; sein "Narr in Christo"
trägt
einige Zuege dieses Rebellen, sein "Ketzer von Soana" ist als eine
poetische Umsetzung des "Ketzers von As(c)ona" zu lesen. Nach Abschluss
dieser Dichtung bestieg
Hauptmann 1919 den Monte Verità,
traf
aber Gräser nicht mehr an. Der Schlussgesang des TILL
EULENSPIEGEL
verarbeitet seine damalige Erfahrung: In einer Kneipe Locarnos hat Till
die Vision eines heidnischen Heilands, der auf den Bergen
über
der Maggia seine Herde weidet Ihn sucht er, seinem Rufe folgend. Als er
ihn nicht erreichen kann, lässt er sich in die Strudel der
Maggia
fallen. - Das Leitmotiv der dionysischen Utopie in Hauptmanns Dichtung
mündet in die Gestalt des "Erdmann". In ihm wollte er am Ende
seines
Lebens "eine Vorausschau auf den 'neuen Menschen'" geben. "Das
wäre
also meine Absicht mit diesem Merlin-Erdmann: den Menschen mit der Erde
inniger und auf religiöse Art zu verbinden." - "Die
entfremdete,
feindliche oder unterjochte Natur feiert wieder ihr
Versöhnungsfest
mit ihrem verlorenen Sohne, dem Menschen."
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Carl
Gustav Jung
(1875-1961)
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Adolf Grohmann, ein
Mitarbeiter von Prof.
Auguste Forel und erster Chronist des MV, brachte die Gebrueder Graeser
schon um 1903 in Verbindung mit dem Zuercher "Burghölzli", wo Jung als
Arzt taetig war. Jung befreundete sich mit seinem Kollegen Otto Gross,
der 1908 sein Patient wurde, und begeisterte sich fuer dessen Lehre.
"Nun kommt der ganz freudestrahlend und erzählt in tiefster Rührung
von Gross, von der grossen Erkenntniss, die ihm nun aufgegangen ist",
schreibt seine damalige Geliebte Sabina Spielrein an Freud. Es war
nicht zuletzt der Einfluss von Gross, der Jung zum Bruch mit Freud und
zur Entwicklung seiner eigenen Lehre trieb. Später wurde Jung
Mittelpunkt des Asconeser ERANOS-Kreises, der die Anstösse des MV auf
akademischer Ebene weiterführte.
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Oskar
Maria Graf
(1894-1967)
Mehr
über Oskar Maria Graf
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Der Bäckersohn vom
Starnberger See geriet
um 1912 in den Schwabinger Bohème-Kreis um Gross, Frank,
Jung
und Mühsam. Auf ihren Spuren kam er in die anarchistische Kolonie, die
sich in Brione gebildet hatte. Mit dem befreundeten Maler
Georg
Schrimpf zusammen arbeitete er auf dem Landgut von Karl Gräser.
"Gräser", so schreibt er in seinen Erinnerungen, "hatte Anhänger und
Verehrer in der ganzen Welt, denn jeder politisch Verfolgte
und
Anarchist, der den Militärdienst verweigerte, fand bei ihm
Unterkunft." Während der Münchner Revolution predigte Graf
eine
"Revolution der Liebe", wollte einen "Bund freier Menschen" gründen.
Durch seine Initiative entstand schliesslich die Landkommune
Blankenburg bei Donauwörth.
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Rudolf von Laban
(1879 -1958)
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Der
berühmte Tänzer, Choreograf und Tanztheoretiker Rudolf von Laban gilt
als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Ausdruckstanzes. Sein
Wirken prägte eine ganze Generation junger Tänzer. Er wurde 1879
geboren, im selben Jahr wie Gräser und ihre Mütter kamen aus der selben
Stadt, Kronstadt, aus der selben Gesellschaftsschicht. Es gibt viele
Parallelen zwischen den beiden Tänzern vom Berg, einem Tänzer, der auch
dichtete - Laban - und einem Dichter, der auch tanzte - Gräser. Ihre
blosse Herkunft mußte sie zusammenführen, aber mehr noch ihre
künstlerische Ader, ihr Freiheitsdrang und vielleicht am meisten ihr
innig-nahes Naturerleben, Naturgefühl. Wenn Laban über seinen Tanz
schreiben will, dann kann er nicht anders: er muss zuerst von seiner
Kindheit und Jugend erzählen, von seinen Abenteuern in den Bergen, in
den Urwäldern, in den Höhlen der Hohen Tatra und der bosnischen
Karstgebirge. Laban machte sich nicht zu einem Mann des Volkes,
wie Gräser, oder zu einem revolutionären Verschwörer, wie Gross. Er
lehnte es ab, sich politisch zu engagieren, sei es auch nur in dem
dichterischen Sinn, wie Gräser politisch war.
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Johannes
Nohl
(1866-1922)
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Der Bruder des bekannten
Reformpädagogen
Hermann Nohl kam als vagabundierender Student mit seinem Freund Mühsam
auf den Monte Verità. Nach dem Vorbild Gräsers wanderte er
eine
Zeitlang langhaarig und barfuss durch Oberitalien. Nach Begegnungen mit
Freud und Gross und unter dem Einfluss des von ihm verehrten
Philosophen Franz von Baader entwickelte und praktizierte er seine
eigene Variante einer Verbindung von Mystik und
antipatriarchaler
Psychotherapie. Von 1916 bis 1918 war Hermann Hesse sein Patient.
Zusammen mit ihm und Bloch gehörte er damals dem Gesprächskreis um
Gräser an und damit dem Erlebnishintergrund von DEMIAN und GEIST DER
UTOPIE.
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Arnold
Ehret
(1866-1922)
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Der aus Baden stammende
Ernährungsforscher
und Fastenlehrer entwickelte die auf Monte Verità
praktizierte
Fruchtdiät zur vollen Reife. Nachdem er 1909 in Köln einen
Fasten-Weltrekord von 49 Tagen aufgestellt hatte, ging er 1914 nach USA
und wurde dort zum Pionier der Health Food-Bewegung. Seine Bücher über
Heilkost und Fasten wurden in der Alternativbewegung der
70-er Jahre ungeheuer populär und sind inzwischen in mehr als 300.000
Exemplaren verbreitet; 1980 erschien in USA seine Autobiographie. Auf
dem Monte Verità leitete er zwischen 1907 und 1914 eine
"Schule
für leibliche und geistige Diätetik". Unter seinem und
Gräsers
Einfluss machte auch Hermann Hesse einen längeren
Fastenversuch
in den Bergen von Ascona.
Über Arnold Ehret:, Webseite
in italienischer Sprache 
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Henri
Oedenkoven
(1875-1935)
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Der belgische
Industriellensohn verband
sich nur vorübergehend mit den Gebrüdern Graeser. Nach kurzer
gemeinsamer Aufbauzeit auf dem von diesen ausgewählten Hügel ueber
Ascona sprengte Oedenkoven als kapitalkräftigster Teilhaber die
ursprüngliche Genossenschaft. Nachdem die Verfechter einer
herrschaftsfreien Lebens- und Liebesgemeinschaft vertrieben waren,
konnte er sein eigentliches Ziel, die Errichtung einer wirtschaftlich
rentierenden Naturheilanstalt, verwirklichen. Trotz mannigfacher
Zugeständnisse an die herrschenden Verhältnisse war seinem
Unternehmen jedoch gerade wirtschaftlich kein Erfolg beschieden. 1920
verliess er mit seiner Gefährtin Ida Hofmann den Berg, um im
brasilianischen Urwald einen neuen Anfang zu wagen.
Siehe auch: "Monte
Verità als Experiment genossenschaftlicher Selbstorganisation und alternativen Verhältnisses zur Natur"
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Otto
Buek
(1873-1966)
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Der in Sankt Petersburg geborene
Philosoph,
Herausgeber Gogols, Kants und Unamunos, gehörte zum Asconeser Kreis um
Mühsam und Nohl. Als Übersetzer Tolstois stellte er die Verbindung zu
den russischen
Kriegs- und Staatsgegnern her. Seine "Kritik
des
Marxismus" erschien 1911 in Pfemferts AKTION. Als Georg Friedrich
Nicolai und Albert Einstein im
Weltkrieg dem chauvinistischen Manifest der 93 deutschen
Intellektuellen ihren Appell "An die Europäer" zur Beendigung des
Krieges
entgegensetzten, da gehörte zu den 2 Mitunterzeichnern auch Einsteins Freund Otto Buek
neben Förster. 40 Jahre später lebte
der nach Frankreich Emigrierte völlig verarmt in einem Altersheim bei
Paris. Einstein war sofort bereit, ihm zu helfen: "Er ist ein
vortrefflicher Charakter und zuverlässiger Mensch mit einem sozialen
Gewissen."
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Erich
Muehsam
(1878-1934)
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Der junge Schriftsteller, von
der Berliner
"Neuen Gemeinschaft" enttäuscht, sah in Ascona die bessere Chance,
"ein Zusammenleben auf eigene Faust zu bewirken, wie es Carl Gräser
für sich allein ja beinahe schon erreicht hat". Er versuchte
eine
Umsetzung Gräserscher Ideen erst in seinem
Schwabing-Asconeser
Intellektuellenkreis, dann in der "Tat"-Gruppe des Sozialistischen
Bundes von Gustav Landauer. Mühsam plante die Herausgabe der Schriften
von Carl Graeser, den er die "interessanteste, tiefste und bedeutendste
Persönlichkeit unter allen Colonisten" nennt, und dürfte seinen
Freund Otto Gross den Gräserbruedern zugeführt haben. Sein Versuch,
Asconeser Gemeinschaftsideale in der Münchner Revolution politisch
umzusetzen, wurde niedergeschlagen und endete letztlich mit seiner
Ermordung durch die Nazis.
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Otto
Gross
(1877-1919)
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Der drogenabhängige
Freudschüler kam 1905
zu einer Entziehungskur ins Sanatorium MV. In Ascona fand er den ihm
gemässen Freundes- und Ideenkreis. Von dieser Zeit datiert die
Entfaltung seines eigenen, Freuds bürgerliche Begrenzungen
überwindenden Denkens: Psychoanalyse wird Gesellschaftsanalyse. Wie
Gräser entlarvt er den Willen zur Macht als Kern des patriarchalen
Kultursystems und stellt ihm wie dieser den Willen zur Beziehung, zum
Freund, entgegen. Die Psychose entstehe durch den Konflikt des Eigenen
mit den Zwängen der Gesellschaft. Gross hat die Gräsersche
"Eigentlichkeit", seine Verwerfung jeden Zwangs, seinen Preis von "Lust
und Liebe" und seine Kritik des Patriarchats psychoanalytisch
untermauert und allerdings zu einem Gräser fremden Extremismus
geführt. Im Unterschied zu Gross, der die patriarchale Familie
radikal zerstören wollte, preist Gräser die "heilige Dreifaltigkeit
von Mann-Weib-Kind" und sieht gerade in ihr das Herz einer
menschenwürdigen Lebensordnung. Gross' Wirkung auf die
expressionistische Generation ist kaum zu überschätzen. Er
vermittelte den Gräserschen Aufstand gegen die Väterwelt, direkt oder
indirekt, an Literaten wie Hesse, Werfel, Kafka, Otten, Leonhard Frank,
Franz Jung, Oskar Maria Graf und viele andere, selbst an Theologen wie
Paul Tillich. Die "erotische Revolution", soweit die Romane
von
D.H.Lawrence sie bewirkten, geht ebenso auf seinen Einfluss zurück wie
gewisse Züge im Denken C. G. Jungs. Er ist der radikale und geniale
Schwärmer unter den Gräserschen Adepten, so wirkungsmächtig wie
einseitig und gefährlich.
Als
eine kritische Jugend in den 1960ern gegen Selbstzufriedenheit und
festgefahrene Strukturen rebellierte, kam es zur Wiederentdeckung des
Otto Gross.
Dazu: "The Age Of Aquarius: Otto Gross, Woodstock und der Monte Verità"
Von Dr.Gerhard M. Dienes

Überblick
über Otto Gross in spanischer Sprache
Roman
von Eveline Hasler: "Stein bedeutet Liebe". Rezension
(PDF)
von Charles Linsmayer in "Der Bund" vom 23.8.2007. Roman über die
Schriftstellerin Regina Ullmann (1884-1961) und ihr Liebesdrama mit
Otto Gross in der Schwabinger Künstlerszene 1907/08.
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Jakob
Feldner
(1896-19??)
Mehr
über Jakob Feldner
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Der Berliner Student hatte mit
Freunden
gegen Gräsers Ausweisung aus Stuttgart protestiert. Nach
Ausbruch
des Krieges gehörte er einem Widerstandskreis gegen die
Militarisierung der Jugend an und ging in dessen Auftrag 1916 in die
Schweiz, um Verbindung mit französischen Friedensfreunden
aufzunehmen. Nach Gesprächen mit Ragaz, Romain Rolland, Stefan
Zweig und anderen pazifistischen Emigranten erreichte er im September
den Monte Verità, wo er zwei weitere Mitarbeiter Rollands
schon
antraf. Sein Brief von dort an den väterlichen Freund Rolland
ist
ein einziger Jubelruf: "Das kommende Deutschland wird durch uns frei
werden. Noch gibt es Leute, die für ihre Freiheit, ihre
Unabhängigkeit zu kämpfen wissen. Kämpfen
ohne Eisernes
Kreuz ... Kampf gegen den Krieg: das ist es, was wir wollen
und
predigen."
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