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12.5.2011
 


Die erste grosse Ausstellung zu Leben und Werk
Karl Wilhelm Diefenbachs (1851-1913) in Österreich

7.4.2011 bis 26.10.2011
Dienstag bis Sonntags und an Feiertagen: 10.00-18.00 Uhr

Museum Hermesvilla
Lainzer Tiergarten 1, 1130 Wien
Telefon: 0043-1/804 13 24
Stadtplan
Öffentliche Verkehrsmittel: Fahrplanauskunft
 
Das Buch zur Ausstellung:
 
Himmelhof
Urzelle der Alternativbewegung
Wien, Ober St. Veit, 1897-1899

Herausgegeben und kommentiert von Hermann Müller
 
 
 
Zur Ausstellung ‚Der Prophet’ in der Wiener Hermesvilla erscheint die Dokumentation ‚Himmelhof’ über das Kommune-Experiment des Kulturreformers Karl Wilhelm Diefenbach. In Wien, in Ober St. Veit bei Hütteldorf, hat er die weisse Fahne der „Humanitas“ aufgezogen, in Wien wurde sein revolutionäres Unternehmen erst enthusiastisch begrüsst, dann boykottiert, schliesslich buchstäblich in den Untergrund und in den Bankrott getrieben. Diefenbach wurde entmündigt und aus dem Lande gejagt.

Dieses Buch dokumentiert zum ersten Mal, anhand von Auszügen aus Tagebüchern und Briefen, die dramatische Geschichte dieser Künstlerkolonie, die als Urzelle einer neuen, naturfrommen Kultur gedacht war.
Im Mittelpunkt steht der Jünger Gusto Gräser, der sich gegen seinen Meister erhob, die Gemeinschaft sprengte, um dann auf dem Weinberg über Ascona, dem Monte Verità, eine freiere und weitere „Humanitas“ zu errichten. Auch sein Wirken blieb eine Geheimgeschichte, die zunächst nur in dichterischer und philosophischer Verkleidung sich in die Öffentlichkeit wagen konnte: durch die Werke von Hermann Hesse, Gerhart Hauptmann, Martin Heidegger und anderen. Erst in den Alternativbewegungen der sechziger und siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts brach sie sich breitere Bahn und treibt seitdem den Umbruch zu einer spirituellen Natur-Kultur.

Hermann Müller (Hg.): Himmelhof. Urzelle der Alternativbewegung, 1897-1899. Umbruch-Verlag Recklinghausen 2011. 210 Seiten, viele Abbildungen. € 19.00
ISBN 978 393 772 60 83. www.umbruch-verlag.de. Mail: tg@umbruch-verlag.de

Diefenbach war ein exzentrischer Künstler, der um 1900 in Mitteleuropa – auch in Wien – für gehöriges Aufsehen sorgte: als Vegetarier mit Kutte und barfuss unterwegs, als Lebensreformer, der die Nacktheit propagierte, als selbsternannter Prophet, der den Frieden predigte und nicht zuletzt als Maler von monumentalen spätsymbolistischen Gemälden.

Diefenbach studierte von 1872 bis 1879 an der Akademie der Bildenden Künste in München, ehe ihn eine schwere Typhusinfektion dazu brachte, sich von Alkohol, Tabak und Fleischkonsum abzuwenden. In zahlreichen Vorträgen versuchte er, seine Zeitgenossen von einer „naturgemäßen“ Lebensweise zu überzeugen. Auch mit seinen Gemälden warb er für seine Reformideen. Man verspottete den Kämpfer gegen das moralische Korsett der Gründerzeit als „Kohlrabi-Apostel“ und stellte ihn schließlich sogar vor Gericht, weil er seine Kinder nackt sonnenbaden ließ. In einer Art Kommune versammelte der Charismatiker Anhänger um sich, wobei er patriarchalisch-autoritäre Züge entwickelte.

1892 zog Diefenbach nach Wien, wo er die Kommune „Himmelhof“ in Ober-St.Veit gründete und zu einer stadtbekannten Persönlichkeit wurde. Hier entstand auch sein künstlerische Hauptwerk, ein 68 Meter langes Fries mit dem Titel „Per aspera ad astra“, das in Ausschnitten auch in der Hermesvilla gezeigt wird. Sein rastloses Leben führte Diefenbach schließlich auf die von Künstlern und Bohemiens bevölkerte Insel Capri, wo er 1913 starb und bald in Vergessenheit geriet.

Die Ausstellung wurde bereits mit großem Erfolg in der Villa Stuck in München gezeigt, in der Hermesvilla liegt ein Schwerpunkt der Schau auf den Wiener Jahren des Exzentrikers und Künstlers. Neben zahlreichen Kunstwerken Diefenbachs sind auch ausgewählte Arbeiten seiner „Jünger“ Hugo Höppner, genannt Fidus, Frantisek Kupka und Gusto Gräser zu sehen, weiters Fotografien und Dokumente aus dem Umfeld Diefenbachs, die einen Einblick in die Welt des Lebensreformers ermöglichen.

Kuratorin: Claudia Wagner
Eine Ausstellung der Villa Stuck in München in Zusammenarbeit mit dem Wien Museum


Das Museum Casa Annata auf dem Monte Verità soll 2013 wieder eröffnet werden!

12. Mai:

Wolfgang Schuldes berichtet 1956 über Gustos Treffen mit Are Waerland

Bernhard Setzwein: An den Ufern der Isar. München 1993
30. April:
Aufsatz von Hermann Müller:
"Gusto Gräser – grüner Prophet aus Siebenbürgen"
mit 5 Abbildungen

Herausgegeben vom Mindener Kreis, in "Kiefern im Wind - Zum Naturverhältnis in der Jugendbewegung" herausgegeben von Pit Stibane, 2010
28. April:
Gerhart Hauptmann: Text mit "Ein Wanderer im Gebirge" (Anfang des Kapitels) ergänzt
25. April:
Interview mit der Kuratorin der Diefenbach-Ausstellung Claudia Wagner
Aus: Biorama   Magazin für nachhaltigen Lebensstil. Wien 2011, Nr. 13

Demianhaus auf dem Monte Verità vom Abriss bedroht
(22.3.2006)

Dichterhaus, Demian-Haus, Hermann Hesses Traumhaus

Ein Kulturdenkmal ist in Gefahr!

Ein Gerücht geht um: das Gräserhaus auf dem Monte Verità soll abgerissen werden. Ist uns eigentlich bewusst, was damit geschieht? Das originelle Häuschen, das die Gebrüder Karl und Gusto Gräser in den Jahren 1903-6 erbauten, ist – neben der Casa Anatta – das letzte feste Gebäude der Begründer des Monte Verità und das eigentliche Zentrum dieser Siedlung.

In Widerstand gegen die Sanatoriumspläne von Oedenkoven errichteten die Gebrüder Gräser auf eigenem Grundstück eine Freistatt und Keimzelle alternativen, ökologischen, pazifistischen Lebens. Um diese grüne Zelle wuchs die Aura des Berges, der Mythos Monte Verità. Hierher kamen die Aussteiger, die Reformer, die Rebellen, die Querdenker: der Dichter Hermann Hesse, die Tänzerin Mary Wigman, der Sozialreformer Frederik van Eeden, der Anarchist Erich Mühsam, die Maler der Wiener Neukunst, der Tiefseeforscher Auguste Piccard und viele andere. Hier schlug das Herz des Monte Verità. Dieses Haus ist in die Weltliteratur eingegangen durch die Erzählungen von Hermann Hesse.

Demianhaus 1928
Das Franziskusbild des Malers de Beauclair 1928
Demianhaus 1928 Demianhaus 1928,
mit dem Diplomaten Herbert Dirksen
Das Franziskusbild des Malers Alexander Wilhelm de Beauclair 1928
Fotos von 1928 mit Erlaubnis von <ymago.net>

Denn in diesen und dem benachbarten Nebenhaus, der heutigen Casa Bambu, fanden die Treffen statt zwischen ihm und Gusto Gräser. Hier haben wir den Ort der Gespräche zu denken, die in Hesses Demian und  ‚Zarathustras Wiederkehr’ dichterisch verwandelt wieder-gegeben sind. „Hier lebte das Märchen und der Traum“, schreibt Hesse. Dieses Haus wäre der ideale Ort, ein Museum einzurichten, eine Gedenkstätte für die beiden Dichter, ein Denkmal ihrer Freundschaft.

Hier, in diesem Haus, verkehrten auch die Tänzerinnen und Tanzdichter um Rudolf von Laban, der Gräsers ekstatischen Ausdruckstanz in eine professionelle Form brachte, die als ‚German dance’ oder ‚Ausdruckstanz’ sich die Welt erobert hat. Vor allem durch Mary Wigman, eine Freundin und enge Vertraute der Gräsers.

Die Geschichte des eigentlichen, des echten Monte Verità hat in diesem Haus ihr einzigartiges Denkmal. Dieses Haus zu zerstören, hieße die letzten materiellen Zeugnisse für den besten Teil des monteveritanischen Erbes zu zerstören.

Dieses Haus muss erhalten bleiben!

Es geht aber nicht um dieses Haus allein. Es geht darum, ob die Tradition des Monte Verità überhaupt noch eine Zukunft hat. Wird die Sammlung von Harald Szeemann übernommen werden?  Werden die Spuren von ERANOS erhalten bleiben? Wird die Sammlung des Deutschen Monte Verità Archivs in Ascona ihren Platz finden – und damit der gesamte Nachlass von Gusto Gräser? In seinem Werk haben wir den Kern dessen vor Augen, was auf dem Monte Verità geschaffen wurde. Mit diesem Nachlass würde der Berg die Grundschriften beherbergen, die den Geist der Gründer, ihr Wollen und Wirken vermitteln. Zusammen mit den Verbindungen zu Hermann Hesse, zu Ernst Bloch, zu Gerhart Hauptmann, Hans Arp und so vielen anderen Künstlern und Denkern könnte auf dem Berg ein Gedenkort mit großer Ausstrahlung und Attraktivität entstehen.

Die Entscheidungen sind jetzt zu fällen. Die Möglichkeiten sind in diesem Augenblick noch da, sie sind groß, sie kommen nicht wieder. Eine zentrales Archiv und Museum als Forschungs- und Tagungsstätte für die monteveritanische Alternative würde Ascona und dem ganzen Tessin, der Schweiz überhaupt, einen weltweit einzigartigen Anziehungspunkt schenken.

Wird der Monte Verità auch in Zukunft ein kulturelles Zentrum bleiben und erst richtig werden – oder wird er in verblassender Musealität verdämmern?

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