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Der Eremit von Ascona

Im Bergschoss

Zum Freund

Ungleiche Freunde

In der Wüste Thebais

Pfleger indischer Übungen

Frühe Morgenlandfahrt

Ohne Ziel und Zweck

Zitate und Dokumente



Hermann Hesse in Wald, Fels und Höhle

Kurz nach 1900 begegnete Hesse dem siebenbürgischen Wanderpropheten und Dichter Gusto Gräser (1879-1958). Der hatte als Zwanzigjähriger Besitz, Heimat und Beruf hinter sich  gelassen. 1899 kam er nach Zürich, wo er als Gesellschaftsreformer auftrat, und anschließend nach Basel. Dort lernte er einen dichtenden Buchhändler kennen.

Für Hesse wird es die Begegnung seines Lebens. Er findet in Gräser seinen "Freund und Führer", das Urbild seiner künftigen Meistergestalten. Sieben Jahre später folgt er dem Ruf seines Freundes in dessen Einsiedelei bei Ascona am Lago Maggiore.

.

Er will wie die frühchristlichen Mönche leben, will ein zweiter Franziskus werden.

Fahre in die thebaische Wüste, d. h. in die Locarneser Gegend,
wo ich schon so viel geeinsiedlert habe.

Hermann Hesse an Paul Gundert
*
Ich habe schon von 1905 an, in Gaienhofen, mehrmals "Legenden"
geschrieben aus derselben Umwelt, der sogenannten thebaischen Wüste.

Hermann Hesse an Fanny Schiler
*
Wirkliche Heimatgefühle habe ich, außer für meine Vaterstadt im Schwarzwald,
mein Leben lang eigentlich nur für diese Gegend um Locarno gehabt.

Hermann Hesse: Nürnberger Reise
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Der Eremit von Ascona

"Ich lebe nackt und aufmerksam wie ein Hirsch in meinem Geklüfte", schreibt Hermann Hesse 1907 im Wald von Arcegno, eine Stunde hinter Ascona in den Südalpen der Schweiz (Mat. Siddh. II, 345). Er lebt in Gräsers Felsenheim, einer Höhle im Gebirge. Nackt, fastend und meditierend sucht er dem Weg seines Freundes zu folgen. Dieses "Noviziat" in der "thebaischen Wüste" im Rücken des Monte Verità wird ein weithin wirkendes Motiv seiner Dichtung.

Einmal stapften vier wunderliche Gestalten durchs Dorf, mit langen Haaren, Sandalen und nackten Waden. ... Hesse war gleich Feuer und Flamme.

Ludwig Finckh: Himmel und Erde

"Und jetzt ziehst du zu dem Waldmenschen hinaus und wirst sein Jünger?"

Hermann Hesse: Freunde

"Morgen in der Frühe, mein Freund, wird Siddharta zu den Samanas gehen. Er wird ein Samana werden."

Hermann Hesse: Siddharta

Und zog eilenden Fußes mit. Nach Ascona.

Ludwig Finckh: Himmel und Erde

Er legte sein Gewand von sich, verließ die Stadt und sein Königreich, und ging nackt in die Wälder, in denen er für immer verschwand.
Hermann Hesse: Legende vom indischen König

Der Jüngling ... ging ... hin, verschloß sein Haus und ging in die Einöde, um Gott zu dienen. ... Er ward hager und braun und teilte seine Wohnung mit den Tieren des Feldes.                                                                        Hermann Hesse: Der verliebte Jüngling

Da er willens war, lieber zu sterben, als fürder dem Bösen untertan zu sein, und da er des seligen Pauli Leben und Wesen wohl beobachtet und sich eingeprägt hatte, begab er sich in dessen armselige Höhle.                                         Hermann Hesse: Der Feldteufel

Also zog er ... in die grimmige Wildnis, suchte an einem wüsten Ort eine Felsenhöhle und blieb daselbst.                                                           Hermann Hesse: Legende von den süßen Broten

Joseph Famulus ... wanderte aus der Stadt in die Wüste, aus der schnöden Welt in das arme Leben der Büßer hinüber.                                      Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel

Als junger Mann aber zog ich den Büßern nach, lebte im Walde, litt Hitze und Frost, lernte hungern, lehrte meinen Leib absterben.              Hermann Hesse: Siddharta



Ich denke, Tatsache ist, daß die Begegnung meines Vaters mit Gusto Gräser - sie haben einige Tage zusammen in einer Höhle bei Arcegno verbracht - schon ein wichtiger Augenblick war. Ein Anstoß in einer Krisenzeit. ... Ich hab' diese Version schon früher gekannt, war aber nur halb sicher und habe neuerdings einen Brief meines Vaters zu lesen bekommen - ein Brief, der jetzt aufgetaucht ist und nach dem ich 20 Jahre gesucht habe und der nicht zu finden war - darin fand ich die Bestätigung, daß dieses Leben einige Tage in einer Höhle wirklich stattgefunden hat.                                 Heiner Hesse
 

Auf dem Weg zur Pagangrott

Hermann Hesse auf dem Weg zur Gräser-Grotte, vermutlich auf dem Pfad, der von Losone hinaufführt zu den Felsen von Arcegno.

Die zweite Aufnahme wurde offensichtlich am selben Tag geschossen. Sie zeigt den Dichter mit der selben Ausrüstung: Strohhut, Weste, Kniebundhose, Kniestrümpfe, Rucksack und Stock. Er befindet sich nun in einer Ginsterzone, möglicherweise in der Nähe der Pagangrott, mit dem Blick zum Maggiatal.
Wann hat diese Wanderung stattgefunden? Wer hat ihn begleitet? Wer hat fotografiert?

Antwort geben zwei andere Aufnahmen aus dem Nachlass von Hilde JungNeugeboren. Die linke zeigt den Dichter in der selben Kleidung zusammen mit Hilde Neugeboren und einer Gruppe Ziegen. Im Hintergrund ist die abgerundete Felskuppe zu sehen, der „Felsendom", in dem Gräsers Grotte sich befindet. Im rechten Bild sehen wir die kleine Wandergruppe, zusammen mit dem Maler Gustav Gamper, in den Gassen des Dörfchens Arcegno. Die Aufnahme wurde von Hilde selbst auf den Herbst 1916 datiert. Wer war nun der Fotograf?
Hesse kam am 7. September 1916 nach Monti sopra Locarno, wo er sich im Hause Neugeboren mit Gusto Gräser traf. Zehn Tage später, am 17. September, kam auch seine Frau Mia in Monti an.
Am 26. September reisten beide nach Brunnen und Bern zurück, nachdem sie sich von Gräser verabschiedet hatten. Die Wanderung zur Pagangrott muss also in der zweiten Hälfte des September 1916 stattgefunden haben, und die Fotografin war mit ziemlicher Sicherheit die Berufsfotografin Maria Hesse-Bernoulli, Hermann Hesses Frau.
Der Dichter zeigte seiner Frau und seinen neuen Freunden den Ort, der ihm seit seinem Einsiedler-Abenteuer von 1907 bestens vertraut war: seine „Zuflucht", seine "Traumwiege", sein „Versteck".

 



Felsentempel


Hermann Hesse und Gusto Gräser entzünden das Feuer im Felsentempel „Pagangrott"
Animationsentwurf der Arte-Redaktion (oben) nach einem Aquarell von Hermann Hesse (unten)
 
 

Verehrung des Feuers
Hermann Hesse und Gusto Gräser in der Felsgrotte von Arcegno

Das Aquarell von Hermann Hesse entstand im Juli 1917 nach einem Besuch in Ascona. Das Bild, das sich in Privatbesitz befindet, trägt keinen Titel. Es ist abgedruckt in dem vom Kunstmuseum Bern herausgegebenen Band „… die Grenzen überfliegen“. Der Maler Hermann Hesse. Bern 2012, S. 105.

So freuet Euch,
hah, feuert, feuert Euch –
aufs neue wird gegründet, entzündet neu
Menschsein im Erdsternreich
-         herzgottentfacht –
aus dem nahfern urtraulich schimmerlacht die:
-        ERDSTERNZEIT –
Weltheimkehrzeit
*    *    *

Hesse schreibt im Juli 1917 an seinen Psychotherapeuten Josef Bernhard Lang: „Wir haben doch etwas versäumt, indem wir den Maler Segal nicht besuchten. Ich war gestern dort. Er war so anregend, daß ich ein kleines Bildchen machte, dessen ungefähre (kleinere) Kopie hier steht. Segal malt zwar ganz anders. Ich war über 2 Stunden dort und konnte mich mit ihm sehr gut verständigen.
Mein Bildchen ist ein Gebirg bei Nacht, in dessen Tempel-Höhle zwei Gestalten am Altar anbeten. Es soll nichts ausdrücken als Ehrfurcht. … Herzlich Ihr H. Hesse“.                   
(Briefwechsel mit seinem Psychoanalytiker Josef Bernhard Lang, S. 40)
 
Hesse war also mit Lang nach Ascona gereist. Warum? In welcher Absicht? Wollte er seinen Analytiker mit dem Monte Verità bekannt machen als dem heimlichen Hintergrund seiner Träume? Hat er ihn gar Gusto Gräser vorgestellt, um seine Reaktion zu testen?  Es scheint, dass jemand die  beiden Besucher auf den Maler Segal empfehlend  hingewiesen hatte, und das könnte am ehesten dessen Nachbar gewesen sein, eben Gräser. Der wohnte mit seiner Familie der Casa Angolo von Segal schräg gegenüber, nur wenige Schritte entfernt. Und er war ein ebenso entschiedener Kriegsgegner wie dieser jüdische Maler aus der Bukowina, der  sich von Berlin hierher geflüchtet hatte, um allen Pressionen zu entgehen. Man war befreundet. Segal machte einen Holzschnitt vom gräserschen Haus und Garten.
Für Hesse war der Fingerzeig bedeutsam genug, um am andern Tag noch einmal auf den Berg zu steigen und Segal zu besuchen. Der Ernst dieses Mannes, seine Anklagen gegen den Krieg, sie scheinen ihn beeindruckt, vielleicht sogar erschüttert zu haben. Er malt ein Traumbild – oder ist es mehr als ein Traum? Zwei Menschen knieen in einer Höhle vor einem flammenden Feueraltar.
Das Bild erinnert sofort an eine Urszene in Hesses Lebensgeschichte: sein Zusammenleben mit Gräser in der Felsgrotte von Arcegno im Frühjahr 1907. Der März war nass und kalt, man wird ein Feuer gemacht haben, um sich zu wärmen. In Regenzeiten durchfloss ein Bächlein den Boden der Höhle; man musste Steine aufschichten, um das Feuer im Trockenen zu halten. So ergab sich von selbst, gewollt oder ungewollt, die Form eines Altars. Wenn dazuhin die Nacht hereinfiel, mit ihrer Dunkelheit, Einsamkeit und Kälte, dann mochten sich die beiden Einsiedler  im Fels wie in einem Tempel fühlen. Knieten sie nieder? beteten sie an? Die beiden Gestalten im Bild scheinen eher zu tanzen, mit ausgebreiteten Armen, sich windendem Körper, ekstatisch zu tanzen.
Nun erinnern wir uns, dass aus den Jahren um 1905 von ekstatischen nächtlichen Tänzen der „Balabiott“ im Wald von Arcegno berichtet wird.

„Sie tanzten. Auf dem Monte Verità organisierten sie private Feste und in der Nacht tanzten sie nackt: von da kam der Ausdruck balabiott. Tanz, nacktes Tanzen, Feuer, Freudenfeuer. Dort oben kreisten sie um das Feuer, tanzten wie die Araber, ganz nackt. Sie waren doch so religiös!"
(Giorgio Vacchini in Szeemann: Monte Verità, S.84)

Gusto Gräser, Freund der amerikanischen Geschwister Duncan, muss der Anstifter dieser Tänze gewesen sein. Er tanzte seinen „Feuertanz“ im folgenden Jahr 1908 auf einer Schwabinger Bühne. Warum also sollte er ihn  nicht mit Hesse zusammen tanzen, nachts um das Feuer in der Höhle? Schon um sich warm zu halten. Vielleicht mit klappernden Zähnen. Und nun erinnern wir uns zum zweiten an Hesses Erzählung von dem Einsiedler im Wald, der das Dritte Auge hat. Was befiehlt der Waldmensch seinen Jüngern?

„Das Neueste, was mata dalam eingeführt hatte, war eine Neumondfeier, wobei er in der Mitte saß und die Rindentrommel schlug. Die anderen Waldleute aber mußten so lange im Kreise tanzen und das Lied golo elah dazu singen, bis sie todmüde waren und in die Knie sanken.“
(Hermann Hesse: Der Waldmensch. WA IV, 340)

Hesses Anbetergestalten sinken in die Knie. Nicht steif, nicht betend, sondern schwingend, sich wiegend, tanzend. Damals, um 1910, in der Zeit seiner Abwendung von Gräser, hatte er ihm dieses Ansinnen zum Vorwurf gemacht. Der Jüngling Kubu erschlägt seinen Meister, „der das heilige Waldlied gedichtet hat“, und flieht aus dem Wald. Jetzt, in der Not seiner Vereinsamung im Krieg, bei einem Besuch in Ascona, jetzt bricht in Hesse die verschüttete Erinnerung wieder auf. Das Feuer lodert wieder über den von aller Welt Abgetrennten im Berg. Es erhellt ihre Dunkelheit. Der Mond steht über ihren Häuptern, zwei Bäume neigen sich ihnen zu.

Es  gibt eine Zeichnung von Gräser, aus der die selbe Vereinsamung spricht – und das selbe tröstliche Leuchten der Sternbilder über die im Berg Geborgenen. Der Ast eines Baumes deckt sich schützend über sie. Der Siebenbürger wird das Blatt seinem Besucher gezeigt haben. “Burg der Armut“ nennt er die Steinzeichnung, an der er um 1917 gearbeitet hat.

Während bei Hesse die Sehnsucht nach Schutz und Wärme überwiegt, zeigt Gräser sich kämpferisch entschlossen und trotzig verschlossen: Die Tür in den Berg ist verriegelt, steinerne Riesen bewachen die Burg. Aber der gräsersche Stern, der Fünfstern blinkt eingemeißelt über dem Tor, Zeichen der Sonnenkraft, die der Fels umschließt.
 
Heil, Sonnensohn Dir, der Du freih und freiher
entzückezündest unsres Lebens Feier,
hah, Feuer! Feuer! tilgend treugetrost all
Rechnertrug, all grausen Wissensfrost –
dass urgemütig, fern all Schal und Kahl,
uns angedeiht das
WUNDERSTERNENMAHL -
hah – TRäumermahl!
*

In diesen Tagen des Sommers 1917 fühlt sich Hesse „von der Menge und vom Ton des Tages durch Entfernungen von Entwicklungsjahrhunderten getrennt“ (Gesammelte Briefe I, 355). Seine Sehnsucht geht “nach fernsten Robinsoninseln“ (ebd.). Er hält jetzt „vom Menschentum mehr als von der Literatur“ (ebd., S. 360). „Im größern Werk, das den Inhalt von Jahren des Erlebens bringt, habe ich jede andere Forderung als die nach Wahhrheit des Gefühlten und sprachliche Reinheit und Strenge des Ausdrucks aufgeben müssen“ (ebd., S.348). Er arbeitet schon an den Entwürfen zu einem Werk, dem er den Titel ‚Demian’ geben wird.

Kein Bild rührt so wie dieses an Hesses Geheimnis.
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Im Bergschoß

Wer auf dem oberhalb des Monte Verità sich erhebenden Hügel, dem altkeltischen Baladrume, auf einen der lichten Felsvorsprünge hinaustritt und nicht hinunter zum See sondern nach Nordosten blickt, bergwärts, über das Dörfchen Arcegno hinweg, der wird sich verwundert, ja fast schon erschreckt die Augen reiben. Gibt es das? oder sehe ich eine Fata Morgana? Zeigt sich ihm doch inmitten der schroffen, spitzkantigen Gipfel und Abstürze der Südalpen eine auffällig sich abhebende Zone: rundhöckrige, abgeplattete Felsformen, Termitenhügeln oder Bienenkörben ähnlich, an afrikanische Szenerien erinnernd und wohl deshalb von einer exotischen Magie.

Besieht man diese hellfarbigen Pilzhüte etwas mehr aus der Nähe, so gewahrt man auf ihrem nahezu platten oder abgeschrägten Dach, wie gestrandete Boote in einem steinernen Meer, zeichenhaft aufgerichtete Steine, Hünensteine, gewaltige Naturaltäre. Ob sie von der Witterung so herausgewaschen wurden oder von frühen Menschen bewußt so gesetzt, niemand weiß es. Der Ort atmet etwas von einer Kultstätte, einem Felsentheater der Vorzeitmenschen. Eine einstige keltische Burg, Baladrume - Ort der Tanztrommel - genannt, liegt ganz in der Nähe.

Nüchtern betrachtet handelt es sich um das Strombett eines Gletschers, der wie ein Hobel über die Landschaft gegangen ist, die Felsen abgeschliffen und wuchtige Findlingsblöcke hinterlassen hat. Hesse wird diese abgelegene, früher schwer zugängliche Gegend, die bis in die Vierzigerjahre des Jahrhunderts von keinem Fahrweg erschlossen war, als ein "verlorene(s) Stück Urwelt" bezeichnen. (GW VI, 326)

Am östlichen Absturz des Gebirgs, dem Maggiatal zugewandt, öffnet sich in der glatten Felswand eine gewölbte Spalte wie das Maul einer Muschel. "Die Höhlung liegt zwischen zwei hausgroßen, gegeneinandergeneigten Blöcken, knapp neben einer großen Felswand in einer vegetationsarmen, rauhen Gegend. ... Ein paar dicke, alte, verwitterte Edelkastanien mit ausgehöhlten Stämmen, nichts Lebendes als höchstens gelegentlich eine Ziege, die das spärliche Gras absucht." So beschreibt ein Gräserfreund, der Züricher Pädagoge Adolf Grohmann, um 1903 die Szenerie. (Grohmann 31)

Denn hier, in dieser "malerischen Felsspalte" (ebd.29) hat Gusto Gräser sich nieder-gelassen, hierher, eine Stunde Wegs von Ascona, hat er sich vom Treiben seiner Genossen auf dem Berg zurückgezogen, hier ist sein heiliges Land. In dieser rauhen, menschenfernen Einsamkeit meditiert er, grübelt, dichtet, träumt, sammelt Kraft für seine Vorstöße in die Wüste der Zivilisation.

Lag bedrückt im Felsenthale, / fasst mich da mit einemmale / an
Berggeistes wildes Wort ...

Hier spricht der Berggeist zu ihm, hier spricht er selbst mit Baum und Fels.

Von Fels zu Felsen ziehts mich, schaun und schaun, / wie magst Du doch, Natur, so Hehres baun! / Bin ich nicht Du? - Bist Du nicht Ich? - / Du rauhes Land, wie lieb ich Dich!

Und der Berggeist lockt ihn:

"In meinem duftgen, urgeweihten Schoß,
da weile lange, weilend wirst Du groß.
Komm, lass die Flachheit, weit und breit,
sei mit mir Berg voll Heiterkeit! -
So'n Berg, mein Bester, hat es gut, hör zu,
wie das da herzescherzt in meiner Ruh -
spott's Thorheit, Du, spott's grüne Jugendlust:
Blühende Weisheit springt aus Unbewusst!
Das hat so rein, so gar nichts vor,
komm, sei kein Narr, sei mit mir Thor!
Komm, gleich dem Baume, der ins Blaue walllt,
sein Trieb urjung, sein Stamm urahnenalt -
ein stiller Held - so ragt er in das Licht -
ein sturmgeboren, erdenfroh Gedicht ...
Komm her ins  Freihe, grün auch Du -
komm in der rauhen Recken Ruh!"

Der Berg raunt ihm seine "blühende Weisheit" zu: die Weisheit - oder Torheit - der Ziellosigkeit, des Lebens und Bauens ins Blaue hinein. Jene typisch Gräsersche Weisheit eben des Toren, des Spielers, des grünvertrauenden Springinsfelds.

"Blühende Weisheit springt aus Unbewusst", sagt ihm der Berg. "Sink, Gesell, hinein in deine Träume!", sagt ihm der Baum. Auch der spricht zu ihm, und Gräser lauscht, wie einst "Ururahn lauschte, versunken, weltverlorn, / dem Wort, das Weltbaum rauschte". Ihn kommt er fragen:

So red, Du Uraltjunger Du - an was glaubst Du?
"An - was denn an - - ? Ich glaub aus Treueruh,
aus dunklem Grund grünblüh ich mich gesund -
bau, bindentbind mein Lebenswohl, mein hiergespieltes,
zweig sonder Zweck, brauch kein solch Fernidol, solch vagerzieltes -
Beweggrund regt und recket mein Getraun, mein grünlebendig heiter:
B i n i m b a u n ..."

Auch er, Gräser, will einzig dem Gesetz des Werdens gehorchen, dem "Baum-binimbaun", das der Wald ihn lehrt: "Werden - Wachsen - In-Bildung-sein!"

Die Felsen und Bäume bei Arcegno, die Höhle im Berg, sie sind sein zweiter Geburtsort gewesen, der Ort seines Innewerdens, der Quellort seiner bleibenden Inspiration. Diese Philosophie des ziellosen, absichtslosen Werdens, des Lebens aus dem Unbewussten, dem Traum, wird er in den kommenden Jahrzehnten denkerisch und dichterisch ausbauen. Die Spontaneität des Lebens geht dem Denken voraus. "Sautez d'abord et pensez après", so wird es einer seiner Schüler, der in Frankreich lebende Amerikaner Raymond Duncan, formulieren. Tu erst mal einen Sprung, und dann denk darüber nach.

"Aber ich finde, die Praxis sollte das Ergebnis des Nachdenkens sein, und nicht umgekehrt". So der Einwand von Hans Calwer gegenüber Heinrich Wirth in der Erzählung 'Freunde' (Calwer-Hesse spricht zu Gräser-Wirth). "Sobald ich einsehe, wozu dies Leben gut ist, kann ich es damit versuchen. Aber so ins Blaue hinein - "

"Ja, das ist Ihre Sache. ... Sie wollen mit dem Denken anfangen und mit dem Leben aufhören, ich tue das Gegenteil. Das ist der Weg, von dem ich sprach." (Freunde 100)

"Für uns kommt es nicht darauf an, das als unlösbar Erkannte zu lösen", sagt ihm Heinrich Wirth. "Es gilt nicht die Wand wegzuschaffen, sondern die Tür zu finden."

Calwer: "Ja, wenn wir aber doch einmal die Welt nicht erklären können, wozu dann noch denken?

Wirth: "Wozu? Um zu tun, was möglich ist."

Er spreche nicht von Theorien, sondern von Menschen. "Denken Sie an Buddha! Und dann an Jesus!" Diese großen Lehrer hätten ausdrücklich das Mögliche gelehrt, nicht das Unmögliche. (Ebd. 66-68)

Einer wie Buddha, einer wie Jesus zu werden - das ist das Hochziel, dem die Beiden in ihrer hier gefundenen "Wüste Thebais" nachstreben.

"Die alten Inder", sagt ihm Gräser-Wirth, "die haben vierzig und mehr Tage fasten können. Erst wenn die leiblichen Bedürfnisse ganz überwunden und nebensächlich geworden sind, kann ein ernstliches geistiges Leben anfangen." (Ebd. 109)

Hesse bemüht sich, quält sich über Wochen - und muß sich am Ende eingestehen, daß er jene Überwindung nicht hat leisten können.

"Ruhe, Befreiung und Einswerden mit der Natur hatte ich gesucht, Unabhängigkeit und Bedürfnislosigkeit. Statt dessen war ich abhängig und bedürftig, ausschließlich mit mir selbst und meinem leiblichen Ergehen beschäftigt, krank und rastlos, von törichten Träumen, Reue und Vorwürfen heimgesucht" (In den Felsen 393f.). Zwar habe er leibliche Erfahrungen gewonnen, aber, so seine niederschmetternde Bilanz: "Geistige habe ich nicht gemacht." (Ebd. 397)

Daß er das mißlungene Experiment abbricht und ins bürgerliche Leben zurückkehrt, ist die logische Konsequenz.

Als Hesse im Frühjahr 1907 nach Ascona kam, da hatte sich Gräser schon den Städten zugewandt. In der Weinberghaus-Ruine seines Bruders hatte er Bleibe und Obdach gefunden. Nur noch selten machte er von jener Rückzugsmöglichkeit in den Bergen Gebrauch. Aber er hat Hesse hinausgeführt zu dem Platz, der ihm heilig und wichtig war. Auch hatte er sich inzwischen auf der Wiese unterhalb der Höhle eine Hütte gebaut, vielmehr eher ein Zelt aus Ästen und Zweigen. Denn die Höhle war unwirtlich, vom Feuer rußgeschwärzt, bei Regenwetter feucht und von einem Bächlein durchflossen. Luftiger und gesünder war es in der Laubhütte zu leben, die tagsüber Schutz vor der Sonne bot und Schutz vor dem Tau in der Nacht.

Hesse scheint sich an diesen Ort zu erinnern, als er 1917 von seiner "Zuflucht" spricht, von der "Ecke im Süden, dem Felsenwinkel im Gebirge", dem "Streulager in der Hütte" (GW X, 29). Der Fährmann Vasudeva wohnt in einer ähnlichen Hütte, flicht Körbe und fährt in seinem Boot über die Wasser, wie Gräser in Ascona tat. Und als der Jüngling Dasa im 'Glasperlenspiel' den heiligen Yogin sucht, da findet er ihn neben einer Hütte sitzend: "eine kleine Hütte, eine Art von spitzem Zelt, aus Farnen gebaut und geflochten." (GW IX, 572)

Eben eine solche spitzgieblige, zeltartige Hütte finden wir auf einer Zeichnung Gusto Gräsers, die ihn selbst darstellt auf jener Waldwiese zusammen mit seiner laubigen Behausung. Der "Farn", von dem Hesse spricht, eignet sich allerdings nicht zum Bau eines solchen Zeltes, wohl aber zum Verflechten der tragenden Stangen. Er wuchert heute noch waldartig dicht und fast mannshoch wenig oberhalb von Gräsers Wiese.

"Jetzt erkenne ich dich", sagt der Fährmann Vasudeva, als er Siddharta wiedersieht. "Einst hast du in meiner Hütte geschlafen, lange ist es her ... Warst du nicht ein Samana?" (GW V, 433)




Zum Freund

Zuweilen fiel mir auf, eine wie große Sehnsucht in allen diesen Seelen von heute nach Erlösung schrie und was für wunderliche Wege sie sie führte. ...

Es gab junge, namenlose Dichter, welche in stilvollen Wohnungen feierliche Andachten vor Statuen und Gemälden begingen. Sie hätten sich geschämt, sich vor Gott zu beugen, aber sie lagen auf Knien vor dem Zeus von Otrikoli.

Es gab Asketen, die sich mit Enthaltsamkeit quälten und deren Toilette zum Himmel schrie. Ihr Gott hieß Tolstoi oder Buddha.

Es gab Künstler, die sich durch wohlerwogene und abgestimmte Tapeten, Musik, Speisen, Weine, Parfüme oder Zigarren zu aparten Stimmungen  anregten. ...

Im Grunde war mir die ganze krampfhafte Komödie amüsant und lächerlich, doch fühlte ich oft mit sonderbarem Schauder, wieviel ernste Sehnsucht und echte Seelenkraft darin flammte und verloderte. (GW I, 406)

So Hermann Hesse in seinem ersten Roman, dem 'Peter Camenzind'. Er gibt drei Beispiele ungewöhnlicher Lebensweisen, die ihn kurz nach 1900 beeindruckt hatten. Sein erstes Beispiel zielt auf den Schwabinger Kreis um Stefan George und Karl Wolfskehl, sein drittes Beispiel auf den 'Insel'-Kreis um Rudolf Alexander Schröder und Alfred Heymel, ebenfalls in Schwabing. Das Beispiel in der Mitte bezeichnet in der Tat die Mitte dieses Textes, um deretwillen er geschrieben worden ist. Anfangs- und Schlußsatz, die Worte von den nach Erlösung schreienden Seelen am Anfang und die Worte von der in Sehnsucht flammenden Seelenkraft am Schluß, sie verweisen auf diese Mitte, sind allein diesem Zentralsatz angemessen. Dort sind echte "Götter" genannt, solche, zu denen auch Hesse in dieser Zeit sich zu wenden beginnt: Buddha, Tolstoi. Zunächst allerdings nur in Schauder, Angst und Ahnung.

Hesse lebte damals in Basel. Auch Gräser hielt sich damals – 1900 oder 1901 - in Basel auf. Er soll dort Ölbilder gemalt haben, die inzwischen verschollen sind. Er verkehrte, wie üblich, in Künstler- und Bohèmekreisen. Auch der Buchhandlungsgehilfe Hesse, der damals mit einem jungen Architekten zusammenwohnte, bewegte sich gern in Künstlerkreisen. In diesem Milieu dürften sie sich begegnet sein.

Noch Jahre später zeichnet Hesse den Heinrich Wirth (alias Gräser) in 'Freunde' als Tolstoianer, hält ihn für einen Buddhisten. Was aber den vermeintlichen "Asketen" vor allem kenntlich macht, das ist sein Aufzug, das ist Gräsers eigenwillige, farbig-luftige Tracht. Die Tracht eines "Stadtindianers" sozusagen. In Bürgeraugen ein zum Himmel schreiender Aufzug.

Mag sein, daß Gräser damals mit jenen Kameraden umherzog, die sich Ende 1900 in Locarno-Monti um ihn gesammelt hatten, nachdem er vom Monte Verità vertrieben worden war. Mag sein, daß Hesse nur einen Einzelnen sprachlich pluralisiert. Er findet ihn "amüsant und lächerlich" und fühlt doch, wieviel "ernste Sehnsucht und echte Seelenkraft" in diesem Menschen lodert. Er ist angerührt, sogar "schaudernd" aufgewühlt. Wie sollte er es nicht sein?

Er ahnt oder erfährt nach und nach, daß dieser Unbekannte in seinem himmel-schreienden tolstoianisch-buddhistisch-phantastischen Aufzug einen Schritt getan hat, einen Sprung, jenen Sprung, vor dem er selber mehr als einmal gestanden hatte, vor dem er nur knapp zurückgewichen war. In jenen Zeiten nämlich, als er aus dem Kloster Maulbronn entwich, aus der Eßlinger Lehre davonlief, im "Zuchthaus Stetten" den Herrn Vater um die Pistole bat, damals, als er eine Revolution herbeiwünschte, als er ausrief: Ach wären doch Anarchisten da!

Eine solche Zeit vergißt sich nicht. Auch Gräser war aus Schule und Lehre ausgebrochen, auch Gräser entstammte einer pietistisch frommen Pastorensippe. Erziehungsdrama, Schuldrama, Lehrlingsdrama hier wie dort. Hesse erspürte den Bruder und mußte ihm verfallen. Hier war einer, der sein eigenes Inbild erfüllte, den verborgenen, unerfüllten Lebensdrang.

Hesse tut alsbald einen ersten Schritt der Annäherung. Er zieht aufs Land, lebt das einfache Leben, wie Gräser es fordert und vorlebt, holt sein Wasser vom Brunnen, gärtnert, entdeckt die Ideale von Ruskin und Morris. Der 'Peter Camenzind' drückt diese  Wende künstlerisch aus: sie ist, mit ihrem Lob des Landlebens und der Natürlichkeit, mit ihren franziskanischen Idealen, mit ihrer Neigung zu den Armen und Ausgestoßenen, schon eine Wende zu Gräser hin. Der schriftstellerische Erfolg genügt ihm nun nicht mehr; Haus, Weib und Kind können ihn nicht halten. Seine Sehnsucht gehört den durchziehenden Wanderburschen, Symbolfiguren der Loslösung, deren jeder ihm jetzt als ein König erscheint. Seine Liebe gehört Franziskus, dem heiligen Bettler. Er weiß, daß "zu allen Zeiten Menschen ... ihr Tagewerk verlassen und die Stille aufgesucht hatten ... Einsiedler, Büßer und Heilige". Er schwärmt vom "Leben der Einsiedler in der thebaischen Wüste" (GW I, 433). Er reist nach Assisi, er schreibt eine Biographie des heiligen Franz.

Er bewegt sich auf Gräser zu, magnetisch angezogen, magnetisch anziehend. Und so ist es unvermeidlich, daß der Gerufene eines Tages in Gaienhofen vor seiner Tür steht, er mit andern: "pilgernde Asketen ... nicht alt noch jung, mit staubigen und blutigen Schultern, nahezu nackt, von der Sonne versengt, von Einsamkeit umgeben" (GW V, 360). So wird er die Szene eines Tages - in 'Siddharta' - dramatisieren und exotisch stilisieren

"Hesse war gleich Feuer und Flamme. Und zog eilenden Fußes mit. Nach Ascona." So erinnert sich sein damaliger Freund und Nachbar, Ludwig Finckh. (Himmel und Erde 48)

In der Erzählung 'Freunde' schildert Hesse, wie er – als "Hans Calwer" - um die Freundschaft eines Mannes wirbt, den er Heinrich Wirth nennt. Dieser "Heinrich Wirth" ist als eine dichterische Wiedergabe Gusto Gräsers unschwer zu erkennen.

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Ungleiche Freunde

In der Erzählung 'Freunde' schildert Hesse, wie er, Hans Calwer, um die Freundschaft eines Mannes wirbt, den er Heinrich Wirth nennt.

"Herr Wirth, wie denken Sie eigentlich über mich?"

"Das kann ich Ihnen nicht sagen."

"Ich meine - wollen Sie nicht mein Freund sein?"

"Ich denke, das bin ich."

"Noch nicht ganz. Ach, ich glaube, ich brauche Sie, ich brauche einen Führer und Kameraden. Können Sie das nicht verstehen?" (Erz. I, 365)

Die Antwort von Gräser-Wirth ist bezeichnend für seine Denkweise (er fühlt sich nicht als "Guru" und will keine "Jünger" haben), charakterisiert sehr genau das Verhältnis der beiden und sollte sich als prophetisch erweisen in ihrer Aussage über die Zukunft.

"Ich kann schon. Sie wollen etwas anderes als die andern; Sie suchen einen Weg, und Sie denken, ich könnte vielleicht den rechten wissen. Aber den weiß ich nicht, und ich glaube, jeder muß seinen eigenen finden. Wenn ich Ihnen dazu helfen kann, dann gut! Dann müssen Sie eben eine Strecke weit meinen Weg mitgehen. Es ist nicht Ihrer, und ich glaube, die Strecke wird nicht lang sein." (Ebd.)

Hesse läßt sich von so viel kühler Nüchternheit nicht abschrecken. Er will wissen, wie er es anfangen müsse, den Weg des Freundes zu gehen. Die Antwort ist noch ernüchternder.

"Suchen Sie viel an der Luft zu sein,  womöglich draußen zu arbeiten ... essen Sie kein Fleisch, trinken Sie keinen Alkohol, auch nicht Kaffee und Tee, und rauchen Sie nicht mehr. Leben Sie von Brot, Milch und Früchten. Das ist der Anfang." (Ebd.)

Calwer-Hesse ist enttäuscht. "Statt eines warmen Zuspruchs, statt einer herzlichen Freundschaft wurde ihm eine Art von naturheilmäßigem Rezept geboten, das ihm nebensächlich und fast lächerlich vorkam. 'Iß kein Fleisch mehr, so bin ich dein Freund.' Wenn er aber an seine früheren Unterhaltungen mit Wirth und an dessen ganzes Wesen dachte, dessen Ernst und Sicherheit ihn so mächtig angezogen hatten, konnte er ihn doch nicht für einen bloßen Apostel Tolstois oder des Vegetarismus halten." (Ebd.366)

Ernst und Sicherheit: An diesem Gusto Gräser wird dem jungen und schon so erfolg-reichen Schriftsteller bewußt, daß er im Gefühl intellektueller Überlegenheit sich eine falsche Sicherheit zugelegt hat. "Diesem Heinrich Wirth gegenüber genügte es nicht, ein wenig geistreich und dialektisch geschickt zu sein. Hier mußte er sich selbst ernster nehmen, bescheidener sein, seine Hoffnungen nicht wie Erfüllungen hinstellen. Diese Freundschaft würde denn auch kein Spiel und Luxus mehr sein, sondern ein Zusammenfassen und beständiges Messen seiner Kraft und seines Wertes am anderen." (Ebd. 349 f.)

Hier ist ein Konkurrenzmotiv angeschlagen, das in diesem Verhältnis von Seiten Hesses her eine nicht unwesentliche Rolle spielt und ihn zeitweise in Haß und Mordgelüste hineintreibt. Der Intellektuelle und Ästhet sieht sich vom Mann der Tat überrundet: "Wirth war ein Mensch, dem alle Probleme im Denken und Handeln schließlich zu ethischen Aufgaben wurden, und Hans empfand nicht ohne Peinlichkeit, daß das eine ganz andere Rüstung war als sein geistiger Habitus, der allzuviel Schöngeisterei an sich hatte." (350)

Wenn er mit klugen Reden, analysierend und erörternd, sich wichtig zu machen versucht, wird er von Gräser-Wirth energisch gestoppt. "Dem Unverständlichen gewachsen sein, den Tröster in sich selber haben, das ist alles." Er sei kein Buddhist, wie sein Gegenüber vermute, wenn er auch die Inder schätze. Und an Schopenhauer sei ihm nur dessen letzte Weisheit wichtig, nämlich "daß die Tätigkeit des Erkennens nicht die höchste ist" (335). Sie sprechen über Buddha und Jesus, über Kant und Schopenhauer, aber auf verschiedene Weise. Der Calwer, philosophisch belesen, zweifelt an der Realität der Dinge, zweifelt an der Möglichkeit von Sinn, will die Welträtsel gelöst wissen. Wenn Wirth über Buddha und Jesus spricht, dann "nicht von Theorien, sondern von Menschen, deren Leben eine Problemlösung, also eine Erlösung bedeutet" (348; Hervorhebung von mir, H.M.). Alle Fluchtwege des Verstandes schneidet er seinem jungen Freunde ab: "Es gilt nicht, die Wand wegzuschaffen, sondern die Tür zu finden."

Das ist der Weg eines Gusto Gräser, der keinerlei Welterklärungen zu bieten hat, kein System, keine Theorie: "Wir haben genug davon; genug an sehr verständigen, sehr gelehrt papierenen Theorien, Plänen, Dogmen und Systemen, übergenug an blutarm verpappter, vertalkter und verkalkter Bibliothekenbildung, aber zu wenig, zu wenig glühblühend bildendes Leben!" (Ein Freund ist da, S. 1)

So in die Ecke gedrängt, versucht Calwer noch einen letzten Ausfall: "Ja, wenn wir aber doch einmal die Welt nicht erklären können, wozu dann noch denken?" - "Wozu? Um zu tun, was möglich ist." (Erz. I, 348)

Hesse muß einsehen, daß ein gemeinsamer Boden noch nicht gegeben ist. "Sie sind mir weit voraus. Sie fangen schon an zu bauen, und ich bin noch am Einreißen und Platzschaffen. Ich habe noch nichts gelernt als mißtrauisch sein und analysieren." (349)

Hier ist einer, der seinen Weg schon gefunden hat, dessen Art, Probleme anzufassen "zwar einseitiger, aber weit zielsicherer und folgerichtiger" ist als die seine. Einer, der so selbstsicher in sich ruht, daß ihm selbst "Gesellschaft, Freundschaft, Bruch der Freundschaft wenig mehr anhaben" können (337). Diese seelische Unabhängigkeit imponiert dem innerlich unsicheren Schriftsteller. Er fühlt, daß er dieses Menschen Freundschaft begehrt, er hofft, "an ihm einen neuen, ganz anders geliebten Freund zu bekommen", und er ist um dieser Freundschaft willen bereit, sich den harten Forderungen seines Vorbilds zu unterwerfen.(341)

Drei Wochen lang lebt er in den Felsen rings um die Höhle von Arcegno. Ernährt sich von Wasser und wilden Früchten, schläft im Freien, gräbt sich bis zum Halse in die Erde ein. "Ich lebe nackt und aufmerksam in meinem Geklüfte, bin dunkel rotbraun, schlank, zäh, flink, habe verfeinerte Sinne. Ich rieche reife Erdbeeren von weitem, kenne die Winde, Stürme, Wolkenformen und Wetterzeichen des Landes. ... Aber wie steht es mit meinen Gedanken? Ich hatte erwartet, sie würden stillestehen oder ganz anders werden. Doch sie sind dieselben geblieben. Nach wie vor bewegen sie sich um dieselben menschlichen Angelegenheiten." Zwar hat er die Überzegung gewonnen, daß durch Fruchtnahrung und Nacktlaufen eine Gesundung unseres Lebens möglich wäre. "Doch hatte ich solche Erkenntnisse nicht gesucht und rechne sie zu den leiblichen Erfahrungen. Geistige habe ich nicht gemacht." (Mat. Siddh. II, 346)

Das ist eine niederschmetternde Bilanz. Zu der Enttäuschung über die Fruchtlosigkeit seiner Anstrengungen kommt die Erkenntnis der eigenen Schwäche. Als er ein einziges Mal in seiner Naturmenschentracht ein Dorfwirtshaus aufsucht, um sich von seinem Alleinsein zu erholen, da macht ihn "die Stille bei seinem Eintritt, das einsilbige Grüßen und nachherige Wegrücken der Tischnachbarn ... sofort verzagt. ... Ach nein", so muß er einsehen, "er war kein Prophet wie van Vlissen, der unter Menschen jeder Art seine Überlegenheit bewahrt hatte! Bedrückt und beinahe weinend vor Enttäuschung und Schwächegefühl ging er bald wieder davon." (Umwege 194 f.[1])

Selbst Gräser-Wirth kann seine Quälerei nicht mehr mit ansehen und rät ihm, ein Ende zu machen. "Ich hatte gehofft, du könntest vielleicht mein Leben zu deinem machen. Das ist nicht gegangen - was bei mir freiwillig war, ist für dich ein trauriger Zwang, bei dem du verkommst. Ich will nicht sagen, dein Wille habe nicht ausgereicht ... Aber das Opfer deiner selbst hast du nie ganz gebracht. ... Du wolltest meinen Weg gehen und wußtest nicht, daß er nach Nirwana führt. Du wolltest dein persönliches Leben steigern und erhöhen, dazu konnte ich dir nicht helfen, weil es mein Ziel ist, kein persönliches Leben mehr zu haben und im Ganzen aufzugehen. Ich bin das Gegenteil von dir und kann dich nichts lehren." (Erz. I, 373 f.)

Heinrich Wirth sagt in Prosa, was Gräser in seinen Sprüchen und Gedichten sagt:

Hüt Dich vor Mir –
Du – komm zu
Dir!

Hesse kehrt nach Gaienhofen und ins bürgerliche Leben zurück.


[1]   In späteren Ausgaben gestrichene Passage aus der Erzählung 'Der Weltverbesserer' von 1910,  in der  Hesse  wie in 'Freunde' Erfahrungen seiner Einsiedlerzeit verarbeitet.

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In der Wüste Thebais

Hesses Aufenthalt auf dem Monte Verità im Jahre 1907 wird mancherorts immer noch als "Kur" dargestellt. Das war sie auch, in einem vordergründigen Sinn. Denn Hesse hat sich tatsächlich im April des Jahres dem Sanatorium von Henri Oedenkoven als "Patient" anvertraut. Irgendwelche Leiden hatte er immer, und so mochte ein gewisser Erholungseffekt immerhin eine gewünschte Nebenwirkung sein. Im Kern aber diente dieser Aufenthalt einer Tarnung. Denn die eigentliche "Kur"  vollzog sich in einem anderen Spital und bei einem anderen Arzt.

 

Hesse folgte seinem Freund Gusto Gräser, der eines Tages, und vermutlich nicht zum erstenmal, in Gaienhofen erschienen war. Ludwig Finckh berichtet darüber. Hesse ist aber nicht, wie Finckh die Dinge verkürzend darstellt, "eilenden Fußes" nach Ascona gezogen, sondern mit der Eisenbahn. Von einem Hotel in Locarno aus hat er sich erst einmal vorsichtig vorgetastet und ist dann einige Tage später als Gast im Sanatorium eingezogen. Er bewohnte eines der schlichten Holzhäuschen, die im Gelände um das Zentralhaus verstreut waren. Von diesem günstigen Standort aus konnte er ungesehen auf das unmittelbar angrenzende Grundstück der Gräsers überwechseln. Die Gespräche, die er dort mit Gusto Gräser geführt hat, sind in der Erzählung 'Freunde' - selbstverständlich in dichterischer Umformulierung - nachzulesen.

Wenn Hesse später von seiner "Wüste Thebais"  spricht, in der er schon oft geeinsiedlert habe, dann ist damit jedoch nicht der Monte Verità gemeint, für den das Wort "Wüste" zuletzt zutreffen würde.[2] Gemeint ist das Gelände um Gräsers Felsgrotte in der Nähe von Arcegno, unmittelbar am Steilabfall des Gebirges gelegen,  nackter Fels und grobes Geröll, damals noch von keiner Straße erschlossen, schwer zugänglich, unbewaldet und öde: wirklich eine Wüste. Schon der erste Gräser-Chronist, Adolf Grohmann aus Zürich, der dort seinen Freund in der Höhle besucht hat, vergleicht die Gegend mit der thebaischen Wüste - und auch er hat die Vision einer urchristlichen Einsiedelei. "Hier", schreibt er, "etwa eine Stunde nordwestlich von Ascona, drin im Gebirg, wird vielleicht eine Abtheilung für Höhlenbewohner, Einsiedler, Säulenheilige etc. entstehen" (Grohmann 31). Einer der ernsthaftesten Aspiranten für diese "Abteilung" ist dann Hermann Hesse geworden.

 

In seiner tagebuchartigen Aufzeichnung 'In den Felsen. Notizen eines "Naturmenschen"' hat Hesse über seine Erfahrungen berichtet. Seine Beschreibung von Landschaft und Vegetation, von Kastanien, Ginster, Birken und wilden Kirschen, von Felsklippen, Tümpel und Bächlein, von silbrig behaartem Berggras und blauem Seeblick entspricht genau dem Befund um Gräsers Grotte bei Arcegno, wie er heute noch dort anzutreffen ist. 

Hesses Wüstenerfahrungen haben sich nicht nur in den 'Notizen eines Naturmenschen' niedergeschlagen. Sie spiegeln sich vielfach in den 'Legenden aus der Thebais', ihre Spuren finden sich aber auch in den Erzählungen 'Der Weltverbesserer', 'Der Waldmensch', in 'Siddharta' und 'Zarathustras Wiederkehr' und noch im 'Glasperlenspiel'. Aus solchen Relikten läßt sich ein anschauliches Bild von Hesses Einsiedlerzeit gewinnen.




Hünenstein auf den Felsen von Arcegno

In meinen Felsen geborgen, in meinem moosigen Wald …
*
Von Fels zu Felsen zieht's mich, schaun und schaun …
*
Gusto Gräser

'In den Felsen' schildert ein mehrwöchiges Fastenexerzitium
und wildes Nomadenleben in einer Natur, in der man
die Wälder und Felskuppen rund um den Monte Verità
bis nach Arcegno und Ruino wiedererkennt.

Stefan Bollmann: Monte Verità, S.208

Ich suchte hohe, steile Felskuppen auf …
ich gab den kühnen Felsenformen kühne Namen …
Ich lebe nackt und aufmerksam wie ein Hirsch
in meinem Geklüfte ...
*
Hermann Hesse: In den Felsen, 1907

Hierher solltest Du auch kommen,
da wäre eine Ernte für Dich: Alpen, See, Inseln,
ein wilder Felsenberg …
*
HH an Max Bucherer, 16. 4. 1907

Ich schreibe dir diesen Gruß im lauen Wind
der Mittagsstunde in den Felsen und Erika-Nestern
hoch überm See zwischen Losone und Ronco …
*
HH an Walter Schädelin, 31. 3. 1916




Felswand beim Hünenstein

[2]  Skurill ist der Versuch von Volker Michels, Hesses Einsiedler-Experiment als Sanatoriumskur auszugeben (in: H. H., Tessin, S. 292.). In der Naturheilanstalt von Oedenkoven gab es weder die von Hesse beschriebenen "kühnen Felsenformen" und "weglose Wildnis", noch pflegten die Kurgäste auf dem nackten Erdboden zu schlafen und sich mit Laub zuzudecken, noch war es erlaubt oder üblich, außerhalb der mit Brettern umzäunten Liegewiesen nackt zu gehen. Schon gar nicht war es möglich, auf diesem steinigen Boden sich bis zum Hals in die Erde einzugraben. Der Monte Verità war keine "Einöde", keine "Wüstenei" und  keine "Einsiedelei", auch sind Kurgäste keine Einsiedler.

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Pfleger indischer Übungen


Knecht beobachtete, wie sein Meister oft so alt und mitgenommen aussah, wie er dann, mit halbgeschlossenen Augen, in sich versank, danach wieder so still, so kräftig, heiter und freundlich zu blicken vermochte - nichts hätte ihn inniger vom Weg zu den Quellen, vom Weg aus der Unruhe in die Ruhe überzeugen können. (GW IX, 86)

Der Altmusikmeister meditiert, und er lehrt seinen Schüler Knecht die Meditation.

Der Altmusikmeister meditiert, selbstverständlich auch der heilige Yogin, es meditiert der Knecht des vierten Lebenslaufs, und zu allem Überfluß ist im 'Glasperlenspiel' auch noch von einem Sanskritgelehrten die Rede, der den Spitznamen "der Yogin" trägt (ebd. 106), weil er meditiert.

Nicht erst das 'Glasperlenspiel' ist voll von solchen Menschen der Versenkung. Auch Narziß meditiert, wie könnte es anders sein; und daß Buddha, Siddharta, Vasudeva meditieren, das versteht sich wohl von selbst. Von Demian würden wir es nicht unbedingt erwarten, aber da er einer Gemeinde von "Pflegern indischer Übungen", von Pflanzenessern und Buddhisten angehört (V,143), dürfen wir uns nicht wundern. Sinclair trifft seinen Freund meditierend an. Reden wir nicht von Hesses Märchen, gehen wir gleich zum "Waldmenschen" mata dalam, "der das Auge inwendig hat" (IV, 339), das "dritte Auge" des Erleuchteten. Es meditiert Heinrich Wirth in 'Freunde', es meditiert der "indische König", es meditieren die Büßer in der Wüste Thebais, es meditiert sogar die Gräser-Karikatur Jonas der Vollendete, dieses wundersame Wesen, "das den Kreislauf des Lebens vollendet und den Weg zum Ausgangspunkt der Menschwerdung zurückgefunden" hat. (Erz. II, 16)

Alle Meistergestalten Hesses meditieren - seit wann? Ihre lange Reihe beginnt im Jahre 1907 mit der 'Legende vom indischen König', die im September dieses Jahres der Neuen Rundschau vorgelegt wurde. Ab diesem Zeitpunkt explodiert das Thema sozusagen, es wird zu einer Hesseschen Konstante.

Es ist das Jahr, in dem Hesse mit Gräser in der Höhle von Arcegno zusammenlebt, es ist das Jahr, in dem ihm Gräser-Wirth die Upanischaden nahebringt. "Die alten Inder, deren Weisheit wir verehren", so ermahnt er den Calwer, "die haben vierzig und mehr Tage fasten können. Erst wenn die leiblichen Bedürfnisse ganz überwunden und nebensächlich geworden sind, kann ein ernstliches geistiges Leben anfangen". Erst dann sei "reine Betrachtung" möglich. (Erz. I, 371)

Nichts vor, nichts nach, nichts daneben –
g l ü h n    i m   h e i l i g e n   L i c h t !
Alles in Eins zu weben, in ein gediegen Leben,
ein Weltgedicht.

(Gusto Gräser)

Es fällt auf, daß  fast alle von Hesses Schilderungen der Meditierenden nach demselben Muster gebaut sind. Der Schüler betritt  zufällig das Zimmer des Freundes oder Meisters, überrascht den still mit offenen oder halb offenen Augen Dasitzenden und zieht sich erschrocken zurück. Eine Urszene? Eine Erinnerung?

Gräser spricht nirgends von Meditation, er gebraucht das Wort nicht. Er braucht das Wort nicht; er spricht von "Innruh", "Innsonnensein", von Sammlung, von Zumgrunde-gehn, von Sichversenken.. "Ruhe ging von ihm aus und zog in mich ein", sagt Sinclair von Demian (GW V, 133). Er genießt den Klang von Demians Stimme und die schöne Sicherheit und Ruhe, die von ihm ausgeht (ebd. 132). "Überwältigend in sich ruhend", so sieht Heinrich Zillich seinen Landsmann Gräser (SOVB, 13. Jg., 1964, Folge 4, S. 201); und Martin Müllerott erinnert an "den inneren Frieden ... der sichtlich aus ihm leuchtete" (ebd., S.194). Selbst noch ein englischer Roman, der 1994 erschien, überliefert diesen offenbar unvergeßlichen Eindruck. Eine Engländerin, die es in den Zwanzigerjahren zufällig nach Berlin verschlagen hat, begegnet dem ihr völlig unbekannten Gusto Gräser vor dem Berliner Schauspielhaus: "Er war vollkommen mit sich einig in seiner seltsamen Tracht, als ob er überall zuhause wäre. Und er war schön. Es war da eine Kraft und ein Friede in seinem Gesicht, wie sie ihr noch nie begegnet waren." (Lisa Appignanesi)

"Er lehrte immerzu", sagt wiederum Heinrich Zillich von Gräser (a. a. O., S. 199). Aber er lehrte keine Technik, verbreitete sich nicht über esoterische Geheimnisse.

Hüt,
oh hüt das Geheimnis -
so wird das Geheimnis
Dich hüten.
Aber, willst Du es sehen,
muss es Dein Leben
zerwüten:
Du!

Wie sagt doch Hesse? - "Wenn ihm diese Einführung in die Meditation so tiefen und nachhaltigen Eindruck machte, so tat sie es, wie er später beurteilen lernte, nicht durch eine besonders feine oder eigenartige Technik, sondern nur durch die Person, durch das Beispiel des Meisters." (GW IX, 85)

Daß Gräser das Geheimnis des Hinabtauchens in den inneren Brunnen kannte, ist keine Frage. Viele seiner Gedichte rufen zum Sichversenken, zeugen vom Feuer der inneren Glut. "Glühen" ist sein Lieblingswort, immer wiederkehrend. Gräser, ein Mystiker der Tat, lehrte keine Technik; er lehrte ein Sein. Ein Da-Sein.

Das ist meines Lebens Stil:
Ich bin da.
Bist - Du - so - viel?

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Frühe Morgenlandfahrt

Sein Freund machte es ihm nicht leicht. Er glaubte an seinen Ernst immer noch nur halb und hatte sich vorgenommen, ihn eine rauhe Schule durchmachen zu lassen. Ohne je aus seiner heiteren Ruhe zu fallen und ohne je zu befehlen, zwang er ihn, in allem nach seiner eigenen Weise zu leben. Er las mit ihm in den Upanishads der Veden, trieb mit ihm Sanskrit ... "Die alten Inder, deren Weisheit wir verehren und zu deren Büchern und Lehren Europa jetzt zurückkehren möchte, die haben vierzig und mehr Tage fasten können. ... Du sollst kein indischer Büßer werden, aber du sollst den Gleichmut lernen, ohne den keine reine Betrachtung möglich ist."                                                                      Hesse: Freunde

Hesses Weg nach Indien beginnt in Ascona. Er selbst hat mehrfach davon gesprochen, wenn auch ohne Ort und Zeit genauer zu bezeichnen. Aber beide lassen sich erschließen.

In der Erzählung 'Freunde' führt uns Hesse in Gräsers Häuschen auf dem Monte Verità, die heutige Casa Bambu. Der "Calwer kam nicht aus der Verwunderung. Er war überzeugt gewesen, der Mann sei ein armer Schlucker" und nun muß er sehen, daß der vermeintliche Landstreicher eine stattliche Bibliothek besitzt, "eine Sammlung guter, zum Teil ganz neuer Bücher", die Dichter aller Völker und Zeiten bis zu Hebbel und Ibsen umfassend, eine Masse Broschüren und ungebundener Sachen, "vieles von Tolstoi". (Erz. I, 338).

"Wieviel Bücher Sie haben!" rief Hans bewundernd. "Auch einen Shakespeare. Und Emerson. Und da ist Rhodes 'Psyche'! Das ist ja ein Schatz." (Ebd. 339)

Der Calwer ist verwundert,  und seine Verwunderung macht nur Sinn, weil man einen, der wie Gräser lebt und in solchem Aufzug herumläuft, nur allzuleicht für einen hirnlosen und ungebildeten Trottel zu halten geneigt ist. Weit gefehlt! Der Calwer kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Hier kann selbst ein Hesse noch lernen und Entdeckungen machen. Zumal als er selbst für längere Zeit in dem Häuschen sitzt und die "langhaarigen Obstesser" vom Berg ihm weitere Schriften zutragen. Diese "kleine Gemeinde von Zukünftigen, welcher er sich zurechnen mußte", befaßte sich mit anderen Büchern als der gewöhnliche Rest der Welt. "Eine ganze Literatur von Schriften, die ihm von diesen Gästen teils mitgebracht, teils zugesandt, teils als notwendig empfohlen wurden", hatte einen "sonderbar religiös-schwärmerischen Anhauch", handelte am liebsten von der pythagoreischen Lehre und "von den Fasten und Mysterien der Ägypter und Inder". "Eine seltsame Bibliothek entstand in dem Häuschen" - in seiner Lufthütte oben im Park des Sanatoriums - "beginnend mit vegetarischen Kochbüchern und endend mit den tollsten mystischen Systemen, über Platonismus, Gnostizismus, Spiritismus und Theosophie hinweg alle Gebiete des geistigen Lebens ... umfassend". (Ebd. 453)

Hesse "hätte ein Riese sein müssen, wenn nicht allmählich jedes dieser Bekenntnisse ihm ... Eindruck gemacht und sein eigenes Denken gefärbt hätte" (GW III, 452). Zwar kannte er damals schon manches wissenschaftliche Werk über Indien, etwa das Buddhabuch von Oldenberg, aber - und darüber kann sich Hesse noch nach Jahrzehnten erregen - das, was "sehr viele sogenannte Okkultisten längst von Indien wußten, was sie dort suchten und übten, das für uns Wesentliche am geistigen Indien, das war zu meiner Verwunderung nie von einem der vielen Professoren, die Indien bereisten, unbefangen betrachtet und studiert, ja überhaupt gesehen worden. Es wurde von den Professoren nicht gesehen, weil es ihnen verboten war. Denn jenes Indische, worauf es eigentlich ankam, das war Okkultismus, das war Magie, das war Mystik, es handelte von der Seele, es war nicht genügend mortifiziert und neutralisiert ... Bemerkt, studiert, gesucht und nachgeahmt wurde es lediglich von Okkultisten, von Schwärmern und Sektenstiftern, von Theosophen ... " (Mat. Siddh. I, 206)

Die Theosophen waren es, die Hesse das eigentliche Indien nahebrachten. Mochte das Elternhaus ihm eine Art folkloristischen Vorgeschmacks vermittelt haben, so begann doch erst "um manche Jahre später, während deren ich viel erlebt und viel gelesen hatte, ... eine andere Provinz der Geistesgeschichte mich anzuziehen, nämlich das alte Indien. Ich lernte durch Fremde gewisse Schriften kennen, die man damals theosophisch nannte" (GW XI, 367). Wenn er gegen diese "etwas zweifelhafte(n) Quellen" auch einiges einzuwenden hat, so muß er ihnen doch zugestehen: "Ich habe in einigen recht wenig bedeutenden Schriften jener Theosophen dann in der Tat einiges gefunden, was mir wichtig wurde und mir den Weg nach Osten, den ich schon seit langem ahnte, finden half." (GW X, 188 f.)

Daß es die Theosophen des Monte Verità waren, die ihn auf diesen Weg geführt haben, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Darauf weisen Hesses Zeitangaben, darauf weist das Milieu, in dem er sich damals bewegt. In ‚Taedium vitae’ von 1908 beschreibt er, sicher mit autobiographischem Hintergrund, wie er eine theosophische Buchhandlung in Schwabing betritt und sich dort beraten lässt. Sie dürfte in Wirklichkeit eher im Tessin gestanden haben. Karl von Schmidtz, ein Schwager von Karl Gräser, betrieb in Locarno eine theosophische Buchhandlung.

Die Gründer der Siedlung waren zunächst von solchen Gedankenströmungen noch unberührt gewesen. Sie hatten sogar einen möglichen Teilnehmer ausgeschlossen, weil er ihnen zu sehr in diese Richtung geneigt schien. Doch schon im Sommer 1901 traten auf dem Berg zwei führende Vertreter der theosophischen Bewegung mit Vorträgen werbend in Erscheinung: Franz Hartmann und Alfred Pioda aus dem nahegelegenen Locarno. Nicht von ungefähr. Denn diese beiden hatten sich schon Jahre früher mit dem Gedanken getragen, auf dem Hügel über Ascona ein theosophisches Kloster zu errichten. Sie konnten ihr Projekt nicht verwirklichen, es fehlte wohl an ernsthaften Aspiranten. Nun traten die Neusiedler an ihre Stelle, übernahmen die Grundstücke, die von den Theosophen schon aufgekauft worden waren. Sie übernahmen jedoch nur zögernd und selektiv, in kritischem Widerstand sozusagen, die Lehren ihrer Vorgänger. Weniger die Siedler selber als wohlhabende Pensionäre, die sich um das Sanatorium herum niederließen, hatten offene Ohren für die neue Botschaft. Frau Steindamm, eine Berliner Millionärin, Leo Novak, ein ehemaliger österreichischer Leutnant, der später ein begeisterter Anhänger von Rudolf Steiner wurde, Dr. Engelhardt aus Nürnberg, der dann in Neuguinea eine eigene Kolonie gründete, der Pianist Lützow aus Berlin, eine Wiener Opernsängerin, Frau Langvara, ihre Freundin Vilma Adamowitsch, die Gattin des ehemaligen Erzherzogs Leopold Wölfling. Im Jahre 1908 brachte 'Hastinapura', das Organ der Schweizerischen Theosophischen Gesellschaft, eine eigene Ascona-Nummer mit Beiträgen des Neobuddhisten Carlo Philips, des mit Hesse befreundeten Zahnarztes Dr. Schneider und des Geschäftsführers im Sanatorium Monte Verità, August Wilhelm de Beauclair. Hesse kannte diese Menschen gut; seine Korrespondenz mit de Beauclair, die sicher aufschlußreich gewesen wäre, ist leider fast ganz verloren gegangen.

Im selben Heft findet sich aber auch ein scharfer Angriff auf Karl Gräser, an dem kein gutes Haar gelassen wird. Zu groß war der Abstand zwischen den hart ums tägliche Brot ringenden Siedlern hier, den Gräsers vor allem, und den müßigen Millionärswitwen, die sich die Zeit mit spiritistischen Seancen und dem Studium esoterischer "Geheimlehren" vertrieben. Wo nüchterne Praxis an die Stelle von träumender Spekulation trat, da schärfte sich der kritische Sinn, da wuchs Unterscheidungsvermögen.

So weiß auch Hesse im Rückblick wohl zu unterscheiden. Er spricht teils anerkennend, teils ironisch von den theosophischen Quellen, "viel Verblasenes und Ungenießbares" sei dabei gewesen (Mat. Siddh. I, 239), und er flammt auf, als er auf "das unvergleichlich Schönste" zu sprechen kommt, was aus diesem Kreis ihm zukam, den ersten eigentlichen Fund: "Ich las mit Herzklopfen eine Übersetzung der Bhagavad-Gita" (XI, 368). Es ist "das erste echte indische Werk", das er kennen lernt, "und der Eindruck war groß" (Mat. Siddh. I, 239).

Es  handelt sich um die Übersetzung jenes Franz Hartmann aus Locarno, damals Vorstand der Deutschen Theosophischen Gesellschaft (und darin der Vorgänger von Rudolf Steiner), der auf dem Monte Verità als Redner auftrat und dort seine erst 1899 verfaßte Nachdichtung der Gita in Umlauf brachte.

Das Ereignis ist so grundlegend für Hesses Weg nach dem Osten, daß sich noch der fast Achtzigjährige mit Begeisterung daran erinnert - und daß es sich wohl lohnen könnte, seine Worte im Ganzen wiederzugeben.

"Das interessanteste und liebste aber ist diesmal ein kleines Büchlein", schreibt er in einer Besprechung von 1955. "Es ist die neue Ausgabe der Bhagavad Gita, übersetzt von Ilse Krämer. Wenn ich darin blättere, kommen meine ersten ernsthafteren Begegnungen mit der indischen Welt mir ins  Gedächtnis, zu einer Zeit erlebt, als es noch keine moderne Indologie gab, als noch keine Upanishaden etc. etc. übersetzt waren. Es gab zwar das Buddhabuch von Oldenberg, in der Hauptsache war man aber auf etwas zweifelhafte Quellen angewiesen, nämlich auf die Publikationen der Theosophen (zu denen damals auch Steiner noch gehörte). Es waren kleine Büchlein, an die Traktätchen der pietistischen Propaganda erinnernd und meist in schlechtem Deutsch aus dem Englischen übersetzt. Es war viel Verblasenes und Ungenießbares dabei, aber durch alles schimmerten eben doch die paar großen Grundgedanken Indiens hindurch, und das unvergleichlich Schönste von ihnen war eine Übersetzung der Bhagavad Gita von Franz Hartmann. Sie war das erste echte indische Werk, das ich kennen lernte, und der Eindruck war groß." (Mat. Siddh. I, 238 f.; Kursivierungen von mir, H. M.)

Damit dürfte, mit Hesses eigenen Worten, die langgehegte Legende widerlegt sein, die seine geistige "Morgenlandfahrt" aus dem Bücherschrank seiner Eltern ableiten will. Sagt er doch selber deutlich genug: "Seit dem Verlassen des Vaterhauses hatte ich keine Berührung mit Indischem, und jene Einflüsse blieben ganz unbewußt. Erst im Alter von etwa 27 Jahren", - das wäre also 1904 - "als ich begann, mich mit Schopenhauer zu beschäftigen, stieß ich wieder auf indische Gedanken, in den folgenden Jahren" - also etwa zwischen 1905 und 1908 - "hatte ich häufig Begegnungen mit suchenden Menschen, meist von mehr oder weniger theosophischer Färbung, und fand mich durch sie mehr und mehr auf indische Quellen gewiesen, lernte eine Übersetzung der Bhagavad-Gita kennen und war von da an in indischen Ideen heimisch." (Mat. Siddh. I, 305 f.; Kursivierungen von mir, H.M.)

In einem Brief vom August 1931 an Heinrich Zimmer spricht er ebenfalls vom Beginn seiner indischen Studien, von einer "Lektüre, die um 20 und 25 Jahre zurückliegt" (Mat. Siddh. I, 206). Damit sind wir wiederum in den Jahren 1906 und folgende.

Wir kennen auch den Lehrer, der ihm dieses Buch nahegebracht hat, mit dem zusammen er es studiert hat. Es ist ein bäurisch erscheinender Denker im Lodenmantel, von dessen "hilflose(m) Äußern" und "plumper Kleidung" der Calwer sich nicht abschrecken läßt (Erz. I, 333 und 339), einer, der von Milch, Brot und Früchten sich ernährt und gern über Schopenhauer und die indische Philosophie spricht, auch über Böhme und Buddha, Eckart und Swedenborg. Es ist ein Einsiedler und Waldmensch, der für einen Landstreicher gehalten werden kann oder einen Anhänger Tolstois. Einer, der ganz allein steht,  der "nicht das beschämende Bedürfnis" hat, "den andern wenigstens äußerlich gleich zu sein", der aber trotz seiner Absonderung Ruhe und Frieden zu haben scheint, eine Ruhe, um die ihn der Calwer beneidet. (Ebd. 324)

Dieser Mann, Heinrich Wirth in der Erzählung 'Freunde', wird als Sanskritgelehrter vorgestellt, mit ihm zusammen liest der Calwer die Upanishaden. Es könnte auch die Gita gewesen sein.

Welche Spuren hat diese Entdeckung in Hesses Dichtung hinterlassen? Sie sind, als unmittelbare, erstaunlich gering.  Vierzehn Tage nach seiner Rückkehr vom Monte Verità beschäftigt sich Hesse in einem Brief an Karl Isenberg mit dem Fortleben nach dem Tode und mit seinem "Gefühl von der Flüchtigkeit der Erscheinungswelt" (GB I, 139). Der Weg zu 'Siddharta' und zur 'Morgenlandfahrt' ist noch weit.

Grundlehre der Bhagavad-Gita ist die Forderung eines Handelns ohne Blick auf Belohnung und Erfolg, ein Tun aus dem tiefsten Grund, das nach Zielen und Zwecken nicht fragt. Ein Gedicht Hesses, das 1907 entstand (also zur Zeit seines Zusammenseins mit Gräser!) und 1908 erstmals veröffentlicht wurde, faßt diese Lehre in seinen Worten zusammen:

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
Und wäre alles Liebste dein.
Solang du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.
Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr  mit Namen nennst,
Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

                                                               (Die Gedichte I, 28) 

Es ist die Übersetzung einer harten spirituellen Erkenntnis in die verführerische Wortmusik Hesses, in der ungestillte Sehnsucht und verzweifelte Resignation sich mischen. Es ist eine Übersetzung ins Schöne und Sentimentale. Und es ist das vorübergehende Aufblitzen eines Gedankens, von dem über lange Jahre nicht viel mehr übrigbleibt als eben Resignation, Müdigkeit und unfreiwilliges Sichbescheiden.

Ganz anders Gräser. Für ihn ist die Lehre der ‚Gita’ eine Grunderfahrung und bleibende Richtschnur geworden - weil sie seine eigene Erfahrung bestätigte. "Wie, war umsonst?" fragt ihn der Berg, s e i n Berg im Tessin, als er  ihm von seinem vergeblichen Bemühen erzählt,  drunten im Dorf (Ascona oder Losone) "die heilge Glut" zu entfachen.

Wie: war umsonst? - O Du, umsonst ist blos,
was nicht um Sonst geschieht, liebfreudelos!

Dieses frühe Gedicht ist vermutlich entstanden, noch ehe Gräser die 'Gita' kennenlernte. Hier spricht ein ganz und gar eigener Ton. Später faßt Gräser die selbe Erkenntnis in die klare begriffliche Entgegensetzung von "Zweck und Ziel" einerseits, "Spiel", "Lust” und “Mahl” andererseits. Das zweck- und zielfreie Handeln wird zu einer Konstante seines Denkens und Dichtens, wie es die Konstante seines Lebens geworden war, seit er sich auf den Weg der Wanderschaft begeben hatte.

Nach Zahl und Ziel ward Welt uns hingerichtet,
zerrzerrt, zerspellt - - -
aus Mahl und Spiel wird ihr Gedeihn gedichtet,
tief hergestellt!

Bei Hesse dauert es Jahrzehnte, bis das Spiel-Motiv sich durchsetzt und zu Wort kommt. Erst in der 'Morgenlandfahrt', seiner Rückbesinnung auf Gräser und die gemeinsamen "indischen" Anfänge, wird es angeschlagen, im 'Glasperlenspiel' wird es voll intoniert.

Waldzell nennt er den Ort, wo die besten Spieler sich sammeln, eine Auswahl, eine Elite. Hier sei "die eigentliche Heimat und Zukunft des Glasperlenspiels, hier in diesen paar Dutzend Gehirnen ... Eigentlich und richtig, vollwertig und mit ganzem Einsatz wird nur hier unser Spiel gespielt, nur hier ... ist es Selbstzweck und heiliger Dienst" (GW IX, 255 f.). "Waldzell", obwohl als altes Zisterzienserkloster ausgegeben, erinnert nicht zufällig an den Wald und an die Zelle, die dem Hesse von 1907 in den Wäldern um Arcegno ein notdürftiges Obdach bot. Hier lebt auch der Altmusikmeister, bei dem der junge Knecht in die Lehre ging und auf den der zum Meister Gereifte einen Freund aus jenen Tagen verweist: "Du erinnerst dich der alten Inder", sagt er ihm, "unser Waldzeller Lehrer hat einst schön von ihnen erzählt ... " (IX, 347)

Unser Waldzeller Lehrer. Der Lehrer im Wald von Arcegno. Der "Waldmensch" mit dem dritten Auge.

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Ohne Ziel und Zweck

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Nach Zahl und Ziel ward Welt uns hingerichtet,
zerzerrt, zerspellt - - -
aus Mahl und Spiel wird ihr Gedeihn gedichtet,
tief hergestellt!
+
Nach Paradiesen zielen - macht uns die Erd zur Qual.
Das Nach-dem-Himmel-Schielen bringt uns ins Jammertal.
+
Also wohlauf! Was Ziel und was Zweck? Woher und Wohin?
Und lass Dich auch nimmer wurmen vom blöden "Warum".
+
Und bist genesen Du vom Ziel - ist Dir
der Ring gelungen - dann komm, Gesell, zum grohsen
Spiel - bist Du dann wohlgelungen - !
All alle rufen - Freund Dich - komm!
Du - bist - Uns - fromm.
+
Darum bescheidet in Einfalt der Weise sich -
will nichts erzwingen, so zwingt ihn kein Zweck,
innig lebendig, über allen Zwiespalt hinweg,
lebt er in heiliger Dreifalt drein,
im Wieder-Vonselbersein.
+
Komm mit auch Du, statt immerzu
nach Zielen auszuschauen.
Wohin hinaus? - Im Erdenhaus
blühn wonnigliche Auen!
+
Was Ziel?
Allhier - das
Lebespiel!
 «

Gusto Gräser







Zitate und Dokumente:

 
Der Waldheilige, Zitate, meist von Zeitgenossen
 Chiesa: Quel mitico Monte, 1989 -
 Hasler: Il giovane Hermann Hesse al Monte Verità, 2004 -  Chiesa: Der mythische Berg, 1989 - Stefan Lienemann, Gedicht
Gräser: Es wohnt ein Freund, Gedicht - Heilige Bücher des Ostens (Bhagavad Gita ...) - Krishna lehrt Arjuna, Gräser lehrt Hesse Evelyne Hasler: Tessin-Calw/Calw-Tessin

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