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Besprechungen des Vortrags:



Freiburger Zeitung


Gusto Gräsers Vortrag „Wer ist Volksfeind, wer – Freund?“ fand vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal statt. Es geht uns über ihn folgender Bericht zu:
In einem köstlichen Deutsch, wie es eben nur einer dichterischen Sprachkraft entspringen kann, das die Fremdworte nur zur Kennzeichnung des uns Fremden anwendet - und dann gern anwendet -, gab Gräser eine Antwort auf diese Frage, mit der seine vielen Zuhörer, die sich aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung zusammensetzten, einmütig einverstanden waren, wie der immer wieder hervorbrechende Beifall, der sich bis zur Begeisterung steigerte, ersehen ließ. Und das, obwohl seine Antwort sich immer wieder an jeden Einzelnen wandte. Letztlich ist der Feind wie der Freund in uns. Gräser rang in jedem den Feind, das ist das Kleinliche, Berechnende, die Lüge, nieder und ließ die Stimme des Heldenhaften in uns vernehmbar werden. So wirkte er wahrhaft erhebend. „Das Echte nur führt uns zum Wohl. Aus echtem Fühlen gedeiht uns ein kräftiges Führen. Nur fühlende Führung bringt uns zu froher Gemeinschaft, doch die entsetzlich gesetzliche treibt uns zum Wust. Und statt Gemeinschaft macht sich Gemeinheit, statt Gesellschaft Gesindelschaft breit. Der treufreie Mann mit warmem Herz und hellem Haupt bei jedem Werk, er wird zu sein und aller Wohl das Volk zu Eintracht führen, zu Ordnung voll Innigkeit, zu REinheit voll Kraft.“

Volkswacht, Dienstag, den 3. Februar 1920.
Zu Gusto Gräsers Vorträgen.


Ein Arzt schreibt uns:

Gusto Gräsers Gespräch über die brennende Frage: „Wer ist Volksfeind, wer – Freund?“ ließen uns in diesem „Naturmenschen“ (wie Gräser zu seinem Schmerz meistens bezeichnet wird) einen Menschen kennen lernen, der voll und ganz erfüllt ist von einem unerschütterlichen Glauben an die Herrlichkeit des Menschen. Des Menschen, der sich von den fragwürdigen Führern: Verstand, Berechnung, Lüge losgerungen hat und sein Leben getrost von den Taktschlägen des Herzens leiten läßt. In treffenden Wortspielen wie in innigen Gedichten voller stiller Lebensweisheiten kommt dieser aufrichtende Glaube immer von neuem zum Ausdruck. „Wo Verordnungen wuchern, da wird die Ordnung des Lebens erstickt. Ordnungslust lebt in jedem lebendigen Wesen, schauen wir in die Natur, wie ordnungsreich waltet ihr lebendiger Geist. Zarte Ordnungen strahlen uns da entgegen im Kristall, in der Pflanze, im Tier. Und wir? Wenn wir den unverwußt gestaltenden Geist da drin nur gewähren lassen, wird unser Leben bald voll Ordnung und Schönheit blühen.“



Volkswacht, 9. Februar 1920


Ueber Gusto Gräsers Gesprächsabende schreibt uns Herr Schriftsteller E. B.:
Es ist Einer unter uns, der inmitten von Anfeindung, Gehässigkeit, Spott- und Krittelsucht ein verstehender, verzeihender, gläubiger und gebender Mensch blieb. Einer, der spricht als Mensch zum Menschen, der nicht für sich und seine Sache wirbt, sondern einzig und allein um das Herz des andern, des Mitmenschen. Einer, der wecken, lösen will, was noch an Kindlichkeit, Glaubensfähigkeit und Gebebereitschaft im Menschen ist, auf daß er es dienstbar mache im Geiste eines freudigen, wahrhaftigen Gemeinschaftslebens. Er predigt kein System, kein Evangelium – ja, er weist beides von sich als Verführer zur Mechanisierung des Lebens und zur Trägheit des Herzens. Er weiß, daß in jedes Menschen Brust ein lebendiges Gefühl für das Gute lebt. Darum sagt er schlicht und einfach, ohne Pathos: adle den Alltag durch den Mut, du selbst, ganz echt, ganz wahr, ganz hingebend und treu zu sein! Und dein bisher freude- und sinnloses Leben wird erfüllt sein vom warmen Pulsschlag der Liebe. Wie sehr die von Güte und Ruhe getragene Wesenheit dieses Mannes die unruhevoll suchenden Menschen anzieht, beweisen die stets bis auf den letzten Platz gefüllten Säle, in denen er spricht und zum Sprechen auffordert.

Freiburger Anzeiger, Montag, 9. Februar 1920


Es ist ein beachtenswertes Zeichen unserer Zeit, dass die Vorträge dieses Siebenbürgers, dieses schlichten, stillen Menschen, stets so viele Zuhörer anziehen, dass der Harmoniesaal immer bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Denn Siebenbürger füttert sein Publikum keineswegs mit irgendwelchen sensationellen Neuigkeiten oder Prophezeiungen, auch verschreibt er keine fertigen Rezepte und Pillen zur Heilung all unsrer Nöte. Und dennoch zwingt dieser einfache Mensch seine Zuhörer in seinen Bann. Auch die, welche nur aus Neugierde oder Oppositionslust kamen oder sich diesen „merkwürdigen Heiligen“ nur mal ansehen wollten. Mit seiner ursprünglichen Menschlichkeit, mit der Wärme seines nicht durch Hass und Wissens- oder Machtdünkel erkalteten Herzens möchte er die Menschen auftauen aus ihrer Erstarrung, aufwecken aus ihrem Schlaf, das Göttliche, das in jedes Menschen Brust liegt, zum Leben erwecken. Nicht mit grossem Wortgeklinge, mit Lehren und Systemen. Darum nennt er diese Abende „Gespräche“, weil er mit seinem Wort und Wesen dazu Anstoss geben will, dass die Menschen aus ihrer grossen Not und ihrer Vereinsamung heraus zueinander sprechen, zueinander kommen wie Freunde, die einander helfen wollen.
Am letzten Abend, in dem über „Pöbelstaat oder Volkreich“ gesprochen wurde, gelang es ihm, in geradezu erschütternder Weise diese schweigenden Glocken im Menschenherzen zum Tönen zu bringen.


(Rede, vom 27. Januar 1920 im Freiburger Harmoniesaal )
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