Das Wahrnehmen nun ist ähnlich dem ... vernünftigen Erfassen.
Aristoteles (De Anima III, 7: 431a)
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Aufgrund eines Artikels im Falter ergab sich eine Gelegenheit noch mehr von dem momentan in der Hermesvilla ausgestellten Maler und Propheten Karl Wilhelm Diefenbach zu besichtigen: der Privatsammler Herr Schmutz hat aufgrund von Divergenzen mit den Ausstellungverantwortlichen seine Bilder dort nicht aufhängen lassen, lud aber im Zuge der im Falter veröffentlichten Klarstellung Interessierte ein, sich die Gemälde in seiner privaten Wohnung (in der Nähe der Sternwarte, 1180) anzuschauen - eine Einladung die wir gerne annahmen.
Bereits im Eingangsbereich hängen einige kleinformatige, aber zwischen den Bildern anderer Künstler deutlich hervorstechende Werke Diefenbachs: das etwa einen halben mal einen Meter große Porträt der schön traurig dreinblickenden Tochter des Meisters ist besonders in Erinnerung geblieben. Den klimatisierten Hauptraum der im Dachgeschoß befindlichen Privatausstellung dominieren drei prächtige Großgemälde: eines davon zeigt zwei riesenhafte Statuen mit ägyptischer Kopfbedeckung, die sich stoisch auf steinernen Stühlen sitzend vom Wüstenwind umwehen lassen und teilweise hinterm Sand verschwindend geisterhaft erscheinen; eine phantastische Durchmischung von Elementen wie Farben, die natürlich nur vor Ort wirklich zur Geltung kommen kann.
War
Diefenbach noch vor einem Jahrzehnt völlig unbekannt, drängt er
sich nun mehr und mehr dem öffentlichen Kunstbewußtsein auf. Die
pazifistische Attitüde, der Vegetarismus und die kommunalen
Versuche in freier Liebe lassen ihn heute als einen
Hippie-Avantgardisten erscheinen, dessen künstlerisches Potential
gerade wieder entdeckt und besser eingeschätzt wird. Wir
erfahren, dass zum Beispiel das Frankfurter Museum sein Interesse
am oben beschriebenen Bild mit einem durchaus stattlichem Preis
bekundete, nachdem dessen Mittel nach einer für den Sammler sehr
günstig verlaufenen Auktion, aufgestockt worden sind.
Zwischen den großformatigen hängen viele kleinere
Bilder, deren Motive bereits vertraut sind: eine nackte Frau mit
einer Schlange in der Hand, ein aus dem Nichts auftauchendes
Gottesantlitz als Diefenbach-Lookalike und wieder viel Natur. Im
Bildervergleich sieht man auch, dass der diffamierte "Meister
des Nichtstuns und Trotzdem Lebens" mitunter tatsächlich
gerne für sich arbeiten ließ: während die Statue des Jünglings
im Vordergrund sich relativ selbstgleich bleibt, zeigt der
Hintergrund nur oberflächlich betrachtet zwar dieselbe Gegend,
welche aber, schaut man genauer hin, mit einer jeweils offenbar
ganz anderen Maltechnik und höchstwahrscheinlich überhaupt von
jemand anderem gemalt worden ist, was uns an barocke
Werkstattgebräuche denken lässt. Wir erfahren, dass Diefenbachs
rechter Arm infolge einer Typhuserkrankung dauerhaft verkrüppelt
und beinahe lahm war; der junge Fidus wird also kaum der einzige
gewesen sein, der bei der Verfertigung von Bildern mitgeholfen
hat.
Ausserdem bekommen wir viele Kataloge zu
Gesicht, die meisten in deutscher, manche in italienischer Sprache
und alle natürlich mit noch mehr Bildern; darunter ist zum
Beispiel ein sehr schönes mit handgemachten Zierleisten
versehenes und in die Länge aufklappbares Buch mit einer
Abbildung des i. O. 68m langen Wandvries, welches aktuell zum
großen Teil in der Hermesvilla, ansonsten aber in Hadamar, dem
Gebursort Karl Wilhelm Diefenbachs - "einem der bedeutendsten
Silhouettenkünstlers des 20. Jahrhunderts" (vgl.
http://www.hadamar.de/) - zu
bewundern ist oder eine relativ neue Publikation von Stefan Kobel:
"Karl Wilhelm Diefenbach - Der Maler als Gesamtkunstwerk".
Einige Bilder sowie die Einladung weitere vor Ort zu sehen gibt es hier auf der Diefenbach-Seite der Sammlung Schmutz.
Quelle: http://hermesgruppe.blogspot.com/
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